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Max von Schenkendorf: Gedichte - Kapitel 125
Quellenangabe
typepoem
authorMax von Schenkendorf
titleGedichte
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co.
editorEdgar Groß
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151005
projectid5a867da8
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Die altdeutschen Gemälde.

Mir winkt ein alter schöner Saal,
Zwei Brüder haben ihn gebaut,
Da hab' ich in dem reinsten Strahl
Mein Vaterland geschaut.

Das war in jener trüben Zeit
Ein holder stiller Wallfahrtsort,
Wo sich der Väter Herrlichkeit
Verbarg im sichern Port.

Der Märtyrer und Heil'gen Schar,
Viel Helden Gottes treu und kühn,
Die zarten Frauen mild und klar,
Die für den Heiland glühn;

Manch Bild der allerreinsten Magd,
Wie Gottes Engel ihr erschien,
Bald wie sie um den Sohn geklagt,
Bald wie die Weisen knien;

Was frommer Fleiß und keusche Kunst
Gepflegt in alter deutscher Welt  
Ward hier nach Gottes Rat und Gunst
Gerettet aufgestellt.

Es kam wohl manches treue Herz
Und sah die lieben Bilder an,
Gesegnet sei der tiefe Schmerz,
Der da in ihm begann.

O Liebesbrunst zum Vaterland
Und zu der alten Heldenzeit,
Du bittre Lust und Gottes Hand
Habt uns vom Joch befreit.

Nun schauen wir euch anders an,
Ihr sprechet uns auch fröhlich zu,
Ihr Bilder, doch ein rechter Mann
Begehrt noch keine Ruh'.

Ihr müsset erst an Künstler Hand
Durch unsre freien Länder gehn,
Man soll an keiner deutschen Wand
Mehr Heidenbilder sehn.

Ihr lieben Heil'gen, kommt heraus
Und segnet uns, wir flehen euch,
Ihr holden Mägdlein, schmückt das Haus,
Ihr Ritter, schützt das Reich.

Du steh noch lange, Bildersaal,
Ihr Brüder, übet euer Amt,
Daß an der frommen Vorzeit Strahl
Sich manche Brust entflammt.

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