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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 91
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150218
projectidb7b1768e
modified20170915
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Erinnerungen an Schlesien

1. Auf dem Greifenstein. (Fragment.)

Staunend tret' ich heraus auf den Söller, das trunkene Auge
    Schwelgt unentschlossen umher. Schwer ist die glückliche Wahl!
Soll es nach Westen hinauf in die dämmernden Berge sich tauchen?
    Soll es der spiegelnden Fluth folgen in schlängelndem Lauf
Oder verwegen sich dort zu den flatternden Raben gesellen,
    Um das verfallene Schloß magische Kreise zu ziehn?
Alles auf einmal, so wär' es Dir recht, ungenügsames Auge!
    Alles auf einmal, ein Blick über die ganze Natur,
Rückwärts tief in den Wald, vorwärts zur Feste hinüber,
    Dort zu den dämmernden Höhn, hier in die Fluthen hinab;
Dann zum Himmel hinauf und zu Euch, Ihr ergetzlichen Wolken,
    Wie Euere Nebelgestalt keck und verwegen sich baut:
So mit dem einzigen Zug den Nektar der Freude zu schlürfen,
    So mit dem einzigen Blick, Erde, Dein blühendes Reich
Klar in des spiegelnden Auges entzückten Krystall zu verweben,
    Leben und Frühling und Licht all in die Seele getaucht!

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