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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 77
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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modified20170915
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Berglied

Nach der Weise: Wol auf, Kameraden, &c.

Glück auf! Glück auf! in der ewigen Nacht;
    Glück auf! in dem furchtbaren Schlunde.
Wir klettern herab durch den felsigen Schacht
    Zum erzgeschwängerten Grunde.
Tief unter der Erde, von Grausen bedeckt,
Da hat uns das Schicksal das Ziel gesteckt.

Da regt sich der Arm, der das Fäustel schwingt;
    Es öffnen sich furchtbare Spalten,
Wo der Tod aus tausend Ecken uns winkt
    In gräulichen Nebelgestalten.
Und der Knappe wagt sich muthig hinab
Und steigt entschlossen ins finstre Grab.

Wir wandern tief, wo das Leben beginnt,
    Auf nie ergründeten Wegen.
Der Gänge verschlungenes Labyrinth
    Durchschreiten wir kühn und verwegen.
Wie es oben sich regt im Sonnenlicht,
Der Streit über Tage bekümmert uns nicht.

Und wenn sich Herrscher und Völker entzwein
    Und dem Ruf der Gewalt nur gehorchen,
Und Nationen im Kampf sich bedräun,
    Dann sind wir geschützt und geborgen;
Denn wem auch die Welt, die entflammte, gehört,
Nie wird in der Tiefe der Frieden gestört.

Zwar ist uns wol manch gräßlicher Streit
    Im Dunkel der Schächte gelungen:
Wir haben die Nacht von Geistern befreit
    Und den mächt'gen Kobold bezwungen,
Und bekämpft das furchtbare Element,
Das in bläulicher Gluth uns entgegenbrennt.

Zwar toben uns tief, wo nichts Menschliches wallt,
    Die Wasser mit feindlichem Ringen;
Doch der Geist überwindet die rohe Gewalt,
    Und die Fluth muß sich selber bezwingen,
Bewältigt gehorcht uns die wogende Macht,
Und wir nur gebieten der ewigen Nacht.

Und still gewebt durch die Felsenwand,
    Erglänzt das Licht der Metalle;
Und das Fäustel in hochgehobener Hand
    Saust herab mit mächtigem Schalle;
Und was wir gewonnen im nächtlichen Graus,
Das ziehen wir fröhlich zu Tage heraus.

Da jagt es durch alle vier Reiche der Welt,
    Und Jeder möcht' es erlangen;
Nach ihm sind alle Sinnen gestellt,
    Es nimmt alle Herzen gefangen.
Nur uns hat nie seine Macht bethört,
Und wir nur erkennen den flüchtigen Werth.

Drum ward uns ein fröhlicher, leichter Muth
    Zugleich mit dem Leben geboren.
Die zerstörende Sucht nach eitlem Gut
    Ging uns in der Tiefe verloren.
Das Gefühl nur für Vaterland, Lieb' und Pflicht
Begräbt sich im Dunkel der Erde nicht.

Und bricht einst der große Lohntag an,
    Und des Lebens Schicht ist verfahren:
Dann schwingt sich der Geist aus der Tiefe hinan,
    Aus dem Dunkel der Schächte zum Klaren,
Und die Knappschaft des Himmels nimmt ihn auf
Und empfängt ihn jauchzend: Glück auf! Glück auf!

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