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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 75
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150218
projectidb7b1768e
modified20170915
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Morgenlied für Schiffer

Auf der Donau, den 18. Oktober 1812.

    Seht, Brüder, wie der Tag so mild
Durch Nacht und Wolken bricht;
Zwar webt ein Nebelschleier sich
    Ums Felsenufer schauerlich,
Uns aber kümmert's nicht!

Zwar thürmen sich die Wellen hoch
    Wie eine Wasserburg
Und schlagen schäumend an das Schiff,
Und pfeilschnell fliegt's am Felsenriff
    Durch spitze Klippen durch:

Doch immer sind wir frohen Muths
    Und aller Sorgen frei,
Dort überm blauen Himmelsdom
Da sitzt der Herr und wehrt dem Strom
    Und führt uns frisch vorbei.

Drum sei gedankt und sei gelobt,
    Du großer Herr der Welt!
Und wie Du uns bisher bewahrt,
So schütze uns auf unsrer Fahrt;
    Dir ist's anheimgestellt!

Und gern erhört der Vater uns;
    Drum immer keck hinaus!
Nicht so betrüglich ist die Fluth,
Als Erdenglück und Erdengut
    Und eitler Lebensbraus.

Auf Erden hält uns wenig fest,
    Die Liebe wird getrennt;
Doch wie uns auch die Welle droht,
Sie bleibt im Leben und im Tod
    Ein freundlich Element.

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