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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 73
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150218
projectidb7b1768e
modified20170915
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Sängers Wanderlied

Gar fröhlich tret' ich in die Welt
    Und grüß' den lichten Tag;
Mit Sang und Liedern reich bestellt,
    Sagt, was mir fehlen mag?
Viel Menschen schleichen matt und träg'
    Ins kalte Grab hinein,
Doch fröhlich geht des Sängers Weg
    Durch lauter Frühlingsschein.

Natur, wie ist es doch so schön!
    An Deiner treuen Brust
Lieg' ich auf Deinen Zauberhöhn
    In stiller Liebeslust.
Da wogt es tief und wunderbar,
    Weiß nicht, wo ein, wo aus,
Doch endlich wird das Treiben klar
    Und tobt in Liedern aus.

Mit Liedestönen wach' ich auf,
    Sie quellen sanft heran;
Die Sonne hoch am Himmel 'rauf
    Trifft mich beim Singen an.
Nicht rast' ich, wenn der Tag verglüht,
    Greif' in die Saiten ein
Und grüße noch mit stillem Lied
    Des Abends Dämmerschein.

Und langsam steigt die Nacht herauf
    Aus tiefer Bergeskluft,
Da wacht mein Lied zum Himmel auf
    In klarer Sternenluft,
Bis sich in bunter Träume Reihn
    Vergnügt des Sängers Blick;
Doch denk' ich träumend auch allein
    An Sang und Dichterglück.

Und wo ich wandre hier und dort,
    Da duldet man mich gern,
Wol Mancher sagt ein freundlich Wort,
    Doch immer muß ich fern.
Denn weiter treibt's mich in die Welt,
    Mich drückt das enge Haus,
Und wenn der Gott im Busen schwellt,
    Muß ich ins Freie 'raus.

Und frisch hinaus und frisch hinein,
    Durch Lebens Nacht und Tag,
Auf daß mich Freiheit, Lieb' und Wein
    Gar treu begleiten mag.
Ein freier Sinn in Lust und Weh
    Schwelgt gern in Sang und Reim,
Und sag' ich einst der Welt Ade,
    Zieh' ich in Liedern heim.

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