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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 70
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150218
projectidb7b1768e
modified20170915
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Bundeslied

Freudig traten wir zusammen
    Mit des Liedes hohem Gruß,
Und des Altars reine Flammen
    Glühen Dir, Gott Cynthius.
Dank Dir, Schlangenüberwinder,
    Für den liedbegabten Mund,
Du vereintest Deine Kinder
    Zu Gesang und Bruderbund.

Ward das schönste nicht der Loose,
    Ward uns nicht die höchste Lust?
Für das Edle, für das Große
    Schlägt noch glühend manche Brust;
Doch es treibt ein dunkles Sehnen
    Sie in tiefe Nacht hinaus,
Und es sprechen ihre Thränen,
    Ihre Freuden sich nicht aus.

Aber wir mit kühnem Herzen
    Halten fest, was in uns glüht,
Unsre Freuden, unsre Schmerzen
    Hauchen wir ins warme Lied,
Weben sinnig unsre Worte
    Zu der Saiten tiefem Klang,
Und lebendig im Akkorde
    Wird die Sprache zum Gesang.

Flach und kahl entflieht das Leben,
    Läßt dem Schwachen keine Wahl;
Nur des Starken ächtes Streben
    Folgt dem flücht'gen Ideal.
Darum singt in lauten Tönen,
    Was die Gunst der Musen schafft,
Und dem Edlen und dem Schönen
    Weihen wir des Bundes Kraft.

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