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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 68
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150218
projectidb7b1768e
modified20170915
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Wiegenlied

Schlummre sanft! – Noch an dein Mutterherzen
    Fühlst Du nicht des Lebens Qual und Lust;
Deine Träume kennen keine Schmerzen,
    Deine Welt ist Deiner Mutter Brust.

Ach! wie süß träumt man die frühen Stunden,
    Wo man von der Mutterliebe lebt;
Die Erinnerung ist mir verschwunden,
    Ahnung bleibt es nur, die mich durchbebt.

Dreimal darf der Mensch so süß erwarmen,
    Dreimal ist's dem Glücklichen erlaubt,
Daß er in der Liebe Götterarmen
    An des Lebens höhre Deutung glaubt.

Liebe giebt ihm ihren ersten Segen,
    Und der Säugling blüht in Freud' und Lust
Alles lacht dem frischen Blick entgegen;
    Liebe hält ihn an der Mutterbrust.

Wenn sich dann der schöne Himmel trübte,
    Und es wölkt sich nun des Jünglings Lauf:
Da, zum zweiten Mal, nimmt als Geliebte
    Ihn die Lieb' in ihre Arme auf.

Doch im Sturme bricht der Blüthenstengel,
    Und im Sturme bricht des Menschen Herz:
Da erscheint die Lieb' als Todesengel,
    Und sie trägt ihn jubelnd himmelwärts.

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