Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Theodor Körner >

Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 60
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150218
projectidb7b1768e
modified20170915
Schließen

Navigation:

An die Geliebte

1812.

Heil'ger Frieden liegt in klaren Tönen
    Auf der eingeschlummerten Natur,
Und des Mondes sanfte Schimmer krönen
Dort den Wald mit seinen dunklen Söhnen,
    Dort den Berg und dort die Wiesenflur.

Und ich bade mir im Windeshauche
    Meine heiße, wildbewegte Brust.
Wie ich da mich in Erinnrung tauche,
Drängen sich ins klare Seelenauge
    Alle Bilder sel'ger Liebeslust.

Wie Du mir zum ersten Mal erschienen,
    Ach, ich seh' Dich jetzt noch vor mir stehn,
Wie Du mir mit diesen Engelsmienen
Wie aus ferner Himmelswelt erschienen;
    Mädchen, Du warst gar zu wunderschön!

Wie ich dann ein still unendlich Lieben
    In der treuen Dichterbrust empfand,
Und zuletzt, von heißer Gluth getrieben,
Dir den ersten, ersten Brief geschrieben
    Und verwegen mein Gefühl gestand.

Seligkeit, nun drangen Deine Keime
    Ihre Blüthen in die volle Brust,
Lebenswarm in heitre Sonnenräume
Jubeln die entzückten Frühlingsträume
    Die Verklärung ihrer heil'gen Lust.

Denn ich sehe mich auf meinen Knien
    Liegend vor dem heiligen Altar,
Sehe Seelen in einander sprühen,
Kuß auf Kuß und Wang' an Wange glühen,
    Gottes Frieden und ein selig Paar.

Strahlenjubel leuchtet aus den Blicken,
    Der sich klar durch Nacht und Nebel webt; –
Dich ans treue, warme Herz zu drücken,
Nenne mir, Geliebte, das Entzücken,
    Das durch alle Nervenzweige bebt!

Nenne mir der Seele Wunderbeben;
    Ich bin mild und ungestüm zugleich,
Fühle sanften Frieden mich umschweben,
Und bin doch dem Sturme hingegeben,
    Bin trotz meiner Felsenkühnheit weich.

Und ich suche – – aber schweigt, Ihr Träume!
    Seht Ihr's nicht, wie's dort in Osten graut?
Liederfrühling, schließe Deine Keime,
Bis ich neu in frischen Wellen schäume.
    Gute Nacht, Du meine süße Braut!

 << Kapitel 59  Kapitel 61 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.