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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 59
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150218
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modified20170915
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Mein hohes Lied von der Einzigen

In der Neujahrsnacht auf 1811.

Hoch rauscht mein Lied auf kühnen Flügeln,
    Hoch rauscht es, wie mit Götterwehn!
Wer darf den Muth des Sängers zügeln,
    Wer seinem Fluge widerstehn?
Schon hab' ich Aethersluft gewonnen,
    Planeten lass' ich hinter mir;
Durch tausend Himmel, tausend Sonnen
    Und tausend Welten hin zu Dir!

Wie ein Gebild aus schönern Sternen
    Standst Du in meiner Jünglingswelt,
Ich sah der Zukunft dunkle Fernen
    Von mildem Zauberlicht erhellt;
Ich sah mit himmlischem Vergnügen
    Des Lebens Räthselwort erfüllt,
Und in den engelreinen Zügen
    Erkannt' ich meiner Träume Bild.

Da ward es hell im Sturm des Lebens,
    Da ward es in dem Herzen Tag;
Dem schönsten Ziel des schönsten Strebens
    Flog jeder Gluthgedanke nach.
Durch Welten hatt' ich mich geschlagen,
    Für Dich gelitten Qual und Mord,
Und sollt' ich wo was Großes wagen,
    Dein Name war mein Losungswort.

In allen Stürmen meiner Jugend
    Blieb ich der stillen Liebe treu;
An Klippen stolzer Männertugend –
    Ich dachte Dich, und flog vorbei.
Die Zeit im ew'gen Frühlingsscheine,
    So webte sich mein schöner Traum;
Das Schlechte hatte, das Gemeine
    Nicht in dem Feuerherzen Raum.

Da kam die Welt mit ihren Schmerzen,
    Der Frühlingstraum war schnell verglüht.
An eines Andern treuem Herzen
    War Dir die Liebe schön erblüht.
Ich sah Dich leicht die Zeit durchschweben
    In sel'ger Stunden Vollgenuß,
Und auf das heiße volle Leben
    Gab mir das Glück den Todeskuß. –

Der schöne lichte Himmelsfunken,
    Der meines Lebens Fahrt erhellt,
Er war in tiefe Nacht versunken,
    Und dunkel lag's auf meiner Welt.
Kühn war ich durch das Meer geschwommen,
    Bis dieser Stern für mich versank;
Nun war der Schiffbruch mir willkommen,
    Wild stürmt' ich in den Untergang.

Es brach das Schiff an Felsenklippen,
    Dem Strudel flog ich nicht vorbei.
Da tönt' es mir von Geisterlippen:
    »Bleib, Jüngling, Deinem Herzen treu!
»Ist Dir Dein Ideal erschienen,
    »So wärme Dich an seinem Schein!
»Das Schöne kann man nicht verdienen,
    »Das Schöne will gewonnen sein.« –

Ich kam zurück – ich sah Dich wieder,
    Du warst so hold, Du warst so mild;
Im glühnden Taumel stürzt' ich nieder
    Vor meines Gottes Ebenbild. –
Was soll ich diese Flamme dämpfen?
    Sie brennt im Herzen ewig neu!
Kann ich das Schöne nicht erkämpfen,
    So bleib' ich doch dem Schönen treu!

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