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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 54
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150218
projectidb7b1768e
modified20170915
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Sehen, Lieben, Küssen

Ich sah Dich, und lag noch im Sturme der Wogen,
Da fühlt' ich auf einmal mich rettend gezogen
    Herüber nach dem blühenden Strand.
Die Wellen zerrissen, ich ließ es geschehen;
Denn ruhig konnt' ich hinunter nun sehen,
    Land! rief's in der freudigen Seele: Land!

Und lieben mußt' ich, ein ungestüm Sehnen
Jagte das Herz durch Freude und Thränen,
    Jagte durch Lieder und Träume Dir nach.
Nicht Ruhe wußt' ich, nicht Frieden zu holen,
Ich war aller andern Empfindung gestohlen,
    Ich wachte schlummernd und schlummerte wach.

Da küßt' ich Dich, und wie durch kämpfendes Leben
Die Friedensengel herniederschweben,
    Der seufzenden Welt die Palmen zu streun,
Und die Kirchen sich öffnen und [friedlich] die Festen,
Und die Städte wimmeln von fröhlichen Gästen,
    So zog Dein Kuß in die Seele ein.

Und wie ich als himmlisches Bild Dich geachtet,
Und still in unendlicher Sehnsucht verschmachtet,
    Kaum näher mich wagend mit Liedern und Gruß,
So hast Du mich jetzt aus dem menschlichen Toben
Zur Liebe, zu Dir, zur Verklärung erhoben,
    Und geheiligt hat mich Dein zitternder Kuß.

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