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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 49
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150218
projectidb7b1768e
modified20170915
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Nachtgedanken

Still ist es um mich her! – des Mondes Schimmer
Wirft bleiche Strahlen in das enge Zimmer,
    Ein tiefer Schlaf liegt auf der weiten Welt.
Nur ich bin wach, der Sehnsucht kühne Schmerzen,
Sie schlummern nur in dem gebrochnen Herzen
    Und wachen ewig, wo noch Leben schwellt. –

Wie oft ich Dir auch gegenüberstehe,
Wie oft ich Dir ins klare Auge sehe,
    Ein neuer Sturm bewegt die tiefe Brust,
Das Auge hängt mit trunkenem Entzücken
Wie angefesselt an den theuern Blicken,
    Und wenn die Wimper zuckt, nenn' ich's Verlust.

Dann träum' ich mir, Du wärst mir recht gewogen! –
Ach, wüßtest Du, wie mir die Pulse flogen,
    Wie Du mich Freund und lieber Freund genannt.
Es ist der höchste Preis im Menschenleben,
Wenn uns der Stern, dem wir entgegen streben,
    Auch bei des Schicksals Tücke nicht verkannt.

Dein Freund, Dein Freund! bei aller Freundschaft Rechten,
Ich will den heil'gen Namen mir erfechten,
    Der einen Gott in meine Seele glüht,
Und sterbend noch aus den geliebten Augen
Des ganzen Himmels stillen Frieden saugen,
    Der ahnend in dem einz'gen Worte blüht.

Für Dich zu kämpfen und für Dich das Leben
In freier Todesweihe hinzugeben,
    Wo ist ein Erdenglück, das höher steht?
Ein Schmerz, für Dich gelitten, wird zur Wonne;
Ich bin schon eifersüchtig auf die Sonne,
    Die Dich mit lichten Strahlen angeweht.

Es ärgert mich, daß sie von Deinen Lippen
Des warmen Hauches stillen Zauber nippen,
    Der Zephir quält mich, der die Wange küßt.
Und geht ein Andrer schmeichelnd Dir vorüber,
Mein Neid schielt auf den Glücklichen hinüber,
    Hat Deine Rede freundlich ihn begrüßt.

Wenn ich von fern nur Deinen Bruder sehe,
Gleich denk' ich mir, er kommt aus ihrer Nähe,
    Auf seinen Zügen hat ihr Blick geruht,
Und um den Hals möcht ich ihm glühend sinken,
Den leisen Kuß der Augen wegzutrinken! –
    Ach, wie der Traum mir gar so gütlich thut! –

Was nenn' ich's Traum? – Was ist denn wirklich blieben,
Wenn dies Gefühl, so rein, so warm zu lieben,
    Im leichten Spiel der Ahnungen verrauscht?
Ist denn die Liebe, diese Morgensonne,
Kein voller Kelch mit wahrer Lebenswonne,
    Nicht Seligkeit, dem Jenseits abgelauscht?

Die Welt ist falsch, der Freund hat mich betrogen,
Ich kämpfe einsam durch empörte Wogen
    In stiller Sehnsucht nach der bessern Zeit.
Nur das Gefühl ist mir treueigen blieben:
Mein Herz ist rein, und so darf ich Dich lieben!
    Und dies Gefühl ist eine Ewigkeit.

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