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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 43
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150218
projectidb7b1768e
modified20170915
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Morgenfreude

Ich bin erwacht! – Im Rosenschimmer
    Strahlt mir der junge Frühlingstag;
Es treibt mich aus dem engen Zimmer,
    Mich ruft der Sehnsucht Glockenschlag.
Noch freut mich nicht der Sonne Prangen,
    Die glühend durch die Wolken bricht;
Für mich ist sie nicht aufgegangen;
    Denn meine Sonne ist es nicht.

Und durch die buntlebend'ge Menge
    Der Straße fliegt der kühne Sinn.
Ich weiß nicht, daß ich im Gedränge,
    Weiß nur, daß ich Dir näher bin;
Wie ich dann immer froh erschrecke,
    Wie sich das scheue Herz bewegt,
Wenn um die vielgeliebte Ecke
    Erwartungsvoll der Schritt mich trägt.

Dann häng' ich mit verklärten Blicken
    Am lieben Fenster unverwandt;
Ein stilles, heiliges Entzücken
    Führt mich in meiner Träume Land,
Bis ich's in schöner Wahrheit sehe,
    Bis sich der Traum ins Leben wagt,
Und Himmelsklarheit aus der Höhe
    Von Deinen Augen niedertagt.

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