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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 41
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150218
projectidb7b1768e
modified20170915
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Das warst Du

Der Morgen kam aus rosigem Gefieder
    Und weckte mich aus stiller Ruh;
Da wehte sanft Begeistrung zu mir nieder,
Ein Ideal verklärte meine Lieder,
    Und das warst Du!

Bald aber warf in heißer Mittagsschwüle
    Die Sonne ihre Gluth mir zu.
Da schwoll die Brust im höheren Gefühle,
Mein ganzes Streben flog zu einem Ziele,
    Und das warst Du!

Doch endlich wehte den durchglühten Fluren
    Der Abend süße Kühlung zu,
Und nur ein Bild in duftigen Konturen
Umschwebte mich auf leisen Geisterspuren,
    Und das warst Du!

Und aus dem Meere kam die Nacht gestiegen,
    Und lockte mich zur süßen Ruh;
Da träumt' ich bald, an schöner Brust zu liegen,
In eines Mädchens Armen mich zu wiegen,
    Und das warst Du!

Doch, ach, das schöne Bild ward mir entrissen,
    Die Welt der Träume schloß sich zu! –
O, lass' mich wachend jetzt das Glück genießen!
Dann ruf' ich laut, durchglüht von Deinen Küssen:
    Ja, das warst Du!

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