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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 38
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150218
projectidb7b1768e
modified20170915
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An die Liebliche

Ich denke Dein beim Strahl der Morgenröthe
    Und wenn des Mittags heiße Gluth erwacht.
Ich denke Dein beim Klang der Abendflöte,
    Ich denke Dein im Sternensaal der Nacht!

Es schwebt Dein Bild in lieblichen Konturen
    Mit süßer Pracht in meiner Phantasie,
Und auf des Liedes zartgewebten Spuren
    Erkenn' ich Deines Namens Melodie.

Ich glaub' an Dich! – Mir dies Gefühl zu rauben
    Vermag die Zeit nicht, nicht der Neid der Welt!
Ich glaub' an Dich und will Dir ewig glauben,
    Und wenn im Leben Alles steigt und fällt.

Ach, wie ist doch im lauten Weltgetümmel
    Mir Deine Nähe so erquickend süß!
Mit Dir find' ich auf Erden meinen Himmel
    Und fänd' im Tartarus mein Paradies.

Die Liebe hat mein kühnes Herz bezwungen,
    Und meines Lebens Frühling ist erwacht,
Und was melodisch meine Brust durchklungen,
    Das lichtet herrlich meines Strebens Nacht.

Tief in den Seelen keimen schöne Triebe,
    Sie welken nie, sie sind kein Raub der Zeit.
Ach, nur ein Herz voll Glauben, Treu und Liebe
    Fühlt dieser Erde höchste Seligkeit.

Wer darf der Liebe heil'ge Kraft ermessen,
    Die alle Schranken kühn und muthig bricht? –
Ich liebe Dich! – Nie kann ich Dich vergessen! –
    Drum denk auch meiner und vergiß mich nicht!

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