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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 36
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150218
projectidb7b1768e
modified20170915
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Aus der Ferne

Ueber jener Berge Höhen,
    Die vom Strahl der Sonne glühn,
Möcht' ich in des Liedes Wehen
    Zu der schönen Freundin ziehn.
Ach, des Haines düstre Grüne
    Und der Farben Lichtakkord
    Und der Wellen Silberwort
        Lispeln immerfort
        Hier und dort:
            Karoline!

Nach der Trennung, in der Ferne
    Fühlt erst die bewegte Brust
Das Verbleichen ihrer Sterne
    Und des Augenblicks Verlust.
Tiefen Gram in jeder Miene,
    Muß ich still den Schmerz ertragen,
Darf es mir dem Echo klagen! –
        Freudig mit Behagen
        Hör' ich's sagen:
            Karoline!

Keinem wird der Wunsch gelingen,
    Dem des Glückes Gunst gefehlt;
Keiner kann die Charis zwingen,
    Wenn sie ihn nicht selbst erwählt.
Ob ich bessres Loos verdiene,
    Schönres Glück, entscheide sie.
    Ruft doch meiner Phantasie
        Süße Harmonie
        Spät und früh:
            Karoline!

Und so will ich Dir vertrauen,
    Hoffnung meiner schönen Zeit;
Muthig will ich vorwärts schauen
    In der Zukunft Seligkeit.
Auf des Lebens lauter Bühne
    Zieh' ich traurig meine Kreise,
    Wandl' ich im gewohnten Gleise;
        Doch der Sehnsucht Weise
        Flüstert leise:
            Karoline!

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