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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 196
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150218
projectidb7b1768e
modified20170915
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Mit den Knospen

1812

    Als ich in meines Lebens erstem Lenze
Die ersten Knospen meiner Lieder brach
Und durch der Jugend froh geschlungne Tänze
Nur in Orakeln meine Ahnung sprach,
Flocht ich in dunkler Sehnsucht meine Kränze,
Und meinen Träumen flogen Träume nach;
Da fühlt' ich's tief in meines Herzens Beben,
Das Göttliche, es athme noch im Leben.

    So hofft' ich still beim kalten Gruß der Jahre,
Als eine Sonne sich mir zugekehrt;
Es stand der Ahnung Traum auf dem Altare
Zur Weiblichkeit vollendet und verklärt.
Was ich bewahrt, und was ich noch bewahre,
Nun hat es sich begründet und bewährt:
Jedwedes Edle trägt der Schönheit Stempel,
Und nur in Frauenherzen ist ihr Tempel.

    Und diesem Glauben hab' ich zugeschworen
Mit freier Brust, ein treuer Troubadour.
Jetzt zürne nicht, bringt Dir der Frühlings-Horen
Harmloser Kreis, statt Blüthen, Knospen nur.
Das Reife hat nur reife Kraft geboren,
Die Rosenpracht schmückt keine junge Flur.
O, dürft' ich einst, ich denk' es mit Entzücken,
Für Dich zum Strauße meine Blüthen pflücken!

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