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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 180
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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An F. V. R

Zu einer Geburtstagsfeier der Gräfin v. d. Recke, Schwester der Herzogin Dorothea von Kurland.

    Wir nahen freudig, edle Frau,
Zu Deines Tages Feste.
Sind wir, betracht' uns nur genau,
Dir unbekannte Gäste?
Wir kommen nicht aus dieser Zeit;
Wir sind aus der Vergangenheit,
Die Sänger alter Tage.

    Dort, wo Dir, wie auf Geisterruf,
In jenes Thales Stille
Ein Eden freundlich sich erschuf
Mit üpp'ger Lebensfülle,
Und wo die Zschopau stolz und frei
An steilen Wänden rauscht vorbei
Mit ihren Silberwogen;

    Wo Du am kühnen Felsenrand
Zwei Thürme kannst gewahren,
Einst eine alte Feste stand,
Vor vielen, langen Jahren.
Da ward gekämpft, getanzt, gezecht;
Es war ein kräftiges Geschlecht
Von alter deutscher Sitte.

    Die Ritter flogen stolz und kühn
Hinaus zum Kampf und Streite,
Um siegend wieder einzuziehn
Mit reicher, voller Beute.
Doch auch der sanfte Troubadour,
Er war nicht fremd auf dieser Flur
Mit seinen bunten Liedern.

    Er sang der Helden kühne Macht
In vollen, lauten Tönen;
Doch mit des Liedes schönster Pracht
Sang er das Lob der Schönen.
Denn was die Brust am Meisten schwellt,
Das ist der Frauen zarte Welt,
Das ist die Welt der Liebe.

    Der Ritter zog auf blut'ger Spur
Durch Kampf und Todesgrauen.
Doch friedlich lag der Troubadour
Zu Füßen schöner Frauen;
Und was in zarter Stille blüht,
Der Liebe Glück, das sang sein Lied
In süßen Melodien.

    Doch, ach! die schöne Welt verschwand,
Die Mauer ward erstiegen,
Es fiel die Burg durch Kaisers Hand
Und mußte unterliegen;
Da war die Heldenkraft verglüht,
Die Liebe schwieg, es schwieg das Lied,
Der Troubadour verstummte.

    Es starb das kräftige Geschlecht,
Ein neues ward geboren;
Der Sinn für Wahrheit, Kraft und Recht
Ging in der Welt verloren:
Man warf sich tief in Raub und Mord;
Da zog der Sänger schweigend fort,
Die alte Zeit zu suchen.

    Doch, ach! vergebens sucht man sie
Im wogenden Gewühle;
Im Sturm der Welt trifft man sie nie,
Die heiligen Gefühle.
»Ach, nur in wen'ger Edlen Brust,
»Da blühen sie mit stiller Lust!«
Rief's einst in unsrer Seele.

    Schnell zogen wir von Ort zu Ort
Mit hoffendem Gemüthe;
Da hörten wir manch schönes Wort
Von Deines Herzens Güte.
Ins alte Thal gelangten wir,
Da sangen alle Stimmen Dir
Mit freudigem Entzücken.

    Drum nahten wir Dir unbefugt
Zu Deines Festes Stunden.
Da schwoll die Brust. – Was wir gesucht,
Wir haben es gefunden!
Die schöne Zeit hat sich verjüngt,
Sie strahlt in Dir, in Dir, und bringt
Die goldnen Tage wieder.

    Und schnell ist unser Lied erwacht,
In hohen Himmelstönen:
Es huldigt nur mit süßer Macht
Dem Edlen und dem Schönen!
Denn was in Frauenherzen glüht,
Verherrlicht nur des Sängers Lied
In heiligen Akkorden.

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