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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 179
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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An die Prinzessin Dorothea von Kurland

Den 22. August 1808.

Es nahn zu Deines Tages Feste
    Drei Schwestern, schön und wunderbar;
Sie sind Dir wohlbekannte Gäste
    Und bringen ihre Wünsche dar.
Sie weihen Dich durch ihren Segen
    Zu jeder reinen Himmelslust,
Und was sie auch verkünden mögen,
    Sie sprechen es aus treuer Brust.
Sie sind aus göttlichem Geschlechte
Und ehren streng der Wahrheit Rechte.

Die Vergangenheit.

Erhaben bin ich anzuschauen,
    In Zaubernebel eingehüllt,
Und zeige Dir der edlen Frauen
    Bewundrungsvolles Ebenbild.
Und was ich Hohes jetzt kann singen,
    Es ist der Geist, der Alles schafft;
Das Schönste wirst Du drum vollbringen,
    Das ew'ge Wesen gab Dir Kraft.
Und schlüge das Geschick Dir Wunden,
Heilt Dich Erinnrung schöner Stunden.

Die Gegenwart.

Der Augenblick hat mich geboren,
    Er ist es auch, der mich verscheucht
Und schnell im Wechseltanz der Horen
    Aufs Neue wiederum erzeugt. –
Wird auch das Größte meine Beute,
    Schnell wandelnd jede Erdenlust,
Seh' ich Dich doch in steter Freude
    Beglückt an Deiner Mutter Brust.
Und wenn sich Aller Glück auch wendet,
Dir bleibt es ewig zugewendet.

Die Zukunft.

Wie Morgenlicht aus goldnen Pforten
    Wachs' ich mit Jugendfülle groß,
Und mit geheimnißvollen Worten
    Verkünd' ich Dir das schönste Loos.
Schon hat die Blüthe sich entfaltet,
    Die herrlichste der ganzen Flur,
Und daß sie sich zur Frucht gestaltet,
    Verbürgt Dir meiner Treue Schwur.
Der schönsten Seele süßer Frieden
Ist Deiner reinen Brust beschicken.

So hat er sich Dir treu verschwistert,
    Der enge Töchterkreis der Zeit;
Was leise Dir das Lied geflüstert,
    Ist's, was die Gottheit mir gebeut.
Mit jedem Reize ausgestattet,
    Hat Dich auch hoher Sinn erfüllt;
Wo sich der Geist mit Anmuth gattet,
    Entsteht das herrlichste Gebild.
Was Dir durch meinen Mund verkündet,
Steht längst im Zeitenbuch begründet.

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