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Gutenberg > Theodor Körner >

Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 175
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
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Die Verlobung

1811.

Erster Gesang.

Länger fielen die Schatten ins Thal, es färbte der Himmel
Sich im glühenden Roth der scheidenden Sonne; die Wandrer
Suchten ein freundliches Obdach, und stiller ward's auf den Straßen.
Da kam auch die Wiese entlang der Förster von Buchwald
Aus dem Thale zurück mit seinem Weib und der Tochter.
Und sie eilten; denn schwer untersagt war dem kränkelnden Manne
Jegliche feuchte Luft und die dämmernde Kühle des Abends.
Bald erreicht war das steinerne Haus; sie traten zur Thüre,
Und der Förster begann: »Hör', Mutter, ich rauchte wol gerne
»Noch ein Pfeifchen im Freien, bis Du das Essen bereitest;
»Lass' mir Josephe nur da, wir setzen uns unter die Bäume.« –
»»Aber die Abendluft?«« entgegnete ängstlich die Mutter,
»»Ist es Dir nicht zu feucht? Du bist noch erhitzt vom Spaziergang,
»»Und das Mädchen ist ja so geneigt zu Husten und Schnupfen.
»»Nein, komm lieber hinauf.«« – »Ei was!« versetzte der Alte,
»Bin ein Waidmann und soll die kühle Luft nicht vertragen?
»Lass Josephen den Oberrock anziehn und schick' sie herunter!
»Sieh, wir plaudern dann noch ein fröhliches Stündchen zusammen,
»Bis zum Essen Du rufst. Gewiß, es soll ihr nichts schaden.« –
Ungern ließ die Mutter es zu und schmückte die Tochter
Erst mit Mantel und Tuch, dann ging sie besorgt in die Küche.
Aber Josephe saß auf der Bank bei dem fröhlichen Alten,
Und sie gedachten Beide mit herzlichen Worten der Heimath,
Und es blinkte wie Thau in den sanften Augen Josephens.
»»Was nur der Rudolph macht?«« so begann das liebliche Mädchen,
»»Schon acht Tage sind's, daß wir keine Nachricht erhalten,
»»Und er schreibt so gern, er hat es mir heilig versprochen.
»»Krank wird er doch nicht sein?«« – »Was soll dem Burschen denn fehlen?«
So entgegnet' mit List der Vater: »ein rüstiger Waidmann
»Hat wol manches Geschäft, das ihn am Schreiben verhindert,
»Und der Rudolph ist streng gegen sich und wacker im Dienste;
»Solches Lob gebührt ihm aus jeglichem Munde. Ihr Mädchen
»Denkt, es habe der Mann nichts Wicht'gers zu thun als die Liebe.
»Deine Mutter hat's auch so gemacht; die war nicht zufrieden,
»Kam ich nicht täglich zweimal aus meinem Dorfe hinüber
»Mußt' ich früh in den Forst, und fehlt' ich Morgens im Garten,
»Schmollte sie Abends mit mir, und jegliches Wort war vergebens.
»Aber sieh, Josephchen, schon steigt der Mond aus den Bergen;
»Wie er so still durch die Zweige bricht, die dunkel verschlungnen,
»Und das schimmernde Gold aus den silbernen Wolken hervorstrahlt!
»Horch! da hör' ich Musik. Sie bringen's dem böhmischen Grafen,
»Der heut früh in dem »Wallfisch« ankam. Wie war doch der Name?
»Ich besinne mich nicht; Du, Mädchen, mußt es noch wissen!« –
Aber Josephe schwieg; versunken in liebliche Träume,
Schaute sie freudig hinauf in des Vollmonds Glühen, die Seele
Flog mit der Töne Gewalt in schönen Akkorden zur Heimath,
Und der Erinnerung Wehn drang tief zu dem Herzen voll Liebe.
Also saßen die Zwei und lauschten Beide dem Walzer,
Der jetzt im wirbelnden Flug die Reihe der Töne durchschwebte.

Aber oben zog auf dem Gipfel des Berges ein Jüngling
Fröhlich die Prager Straß' am steilen Felsen vorüber.
Rudolph war's, der Jäger, – ihn trieb die Sehnsucht nach Karlsbad,
Und mit frohem Gesang begrüßt er das Thal seiner Wünsche,
Fördert den Schritt, und er sieht in die Stadt, und es blinken
Ihm im Sternenschein unzählige Lichter entgegen.
»Wo ist das Deine, Josephe? wo ist der Stern meiner Liebe?«
Ruft er begeistert aus; »ach, eins von den schimmernden Lichtern
»Sammelt die Lieben um sich und blinkt Josephen ins Auge!
»Ob sie meiner gedacht? Gewiß! Auf, daß ich sie grüße!«
Und er eilt' hinab in die Stadt und fragte den Ersten,
Der ihm entgegentrat: »Sagt, Freund, wo ist wol die Wiese?
»Wo ist das steinerne Haus? Beschreibt es mir gut, daß ich's finde.« –
Freundlich wies man ihn über die Brücke hinauf an den Bäumen.
Er gewahrte das Haus; da ergriff ihn stille Begeistrung,
Und ein heiliges Wehn verkündet' die nahe Geliebte.
»»Sieh, Josephe,«« begann der Alte, »»wer kommt da so eilig
»»Noch die Wiese herauf? ein Reisender scheint es, ein Jäger!«« –
»Wo?« so fragte Josephe, aus ihren Träumen erwachend;
Da erblickte sie ihn und erkannte den Gang des Geliebten.
»Rudolph,« rief sie und flog ihm entgegen, »mein Rudolph!« – »»Josephe!««
Jubelt' jener entzückt, und Küsse verschlangen die Worte. –
»Ei, willkommen, Bursche!« trat jetzt ihm der Vater entgegen,
»Das ist ein kluger Streich und macht mir herzliche Freude.«
Sprach's und drückte dem Jüngling die Hand. – »»Mein trefflicher Vater!««
So entgegnet er ihm gerührt, »»Du bist doch recht fröhlich?
»»Bist doch recht frisch und gesund?«« – »Gott Lob!« versetzte der Alte,
»Und mit der Mutter geht's auch um Vieles bester.« – »»Wo ist sie?««
Fiel ihm der Jüngling ein; – »»ach, lasst mich hinauf zu der Guten,
»»Daß ich ihr küsse die Hand, die so mütterlich um mich sorgte!«« –
Und sie führten ihn freudig hinauf zu der staunenden Mutter,
Die den jungen Freund mit herzlichen Worten begrüßte:
»Sei mir willkommen, mein Sohn, sei der Mutter willkommen in Karlsbad!
»Recht überrascht bin ich; zwar hab' es immer geahnet,
»Doch ich zweifelte dran, daß Du so abkommen könntest.
»Sprich, wie geht es daheim? ist Alles noch flink und in Ordnung?
»Steht das Getreide hoch? und sind die Pflaumen gerathen?« –
»»Wol ist Alles noch flink und in Ordnung,«« entgegnete Rudolph,
»»Das Getreide steht hoch, und die Pflaumen sind herrlich gerathen.
»»Marthe hütet das Haus und hält die Knechte zur Arbeit;
»»Sie empfiehlt sich aufs Beste; auch Predigers grüßen recht herzlich.«« –
»Und des Schulmeisters Frau,« so fragte die Mutter, »ist nieder?
»Sicher ist es ein Sohn, ich hab' es ihr immer geweissagt.« –
»»Wol traf's ein,«« versetzte ihr Rudolph, »»ich stand zu Gevatter.«« –
»Ei, da mußt Du uns Alles ein Langes und Breites erzählen!«
Fiel die Mutter ihm ein. – »»Ei, lass' doch den Burschen erst ausruhn,««
So entgegnete ihr der Förster, »»schafft Wein und zu essen!
»»Denn der Weg ist lang, und groß war die Hitze des Tages.
»»Setze Dich, Sohn, und ruhe Dich aus; dann magst Du erzählen.««
Aber Josephe war längst schon hinaus; sie brachte die Schüsseln,
Brachte die Flaschen herein, und Melnecker perlte im Glase.
Freudig ergriff der Alte das Glas und bracht' es dem Jüngling:
»Sei uns willkommen im steinernen Haus!« – »»Recht herzlich willkommen!««
Riefen die Weiber ihm nach; es klirrten die Gläser im Kreise. –
»Dank für den freundlichen Gruß!« versetzte der treffliche Jüngling,
Drückte dem Vater die Hand und neigte sich gegen die Mutter;
Aber Josephen zog er ans Herz, und mit glühenden Lippen
Küßt' er dem liebenden Mädchen die Perle des Glücks von dem Auge. –
»»Rudolph,«« begann darauf der würdige Förster von Buchwald,
»»Jetzt erzähl' uns getreu, wie Du schnell Dich zur Reise entschlossen,
»»Wie Du den Weg vollbracht, ob Unglück, ob Glück Dir begegnet.
»»Sephchen, bring' mir vorher noch den Meerschaumkopf und die Dose;
»»Denn mich gelüstet's, dabei das letzte Pfeifchen zu rauchen.
»»Sieh einmal, Rudolph, den Kopf, ich hab' ihn erst gestern bekommen;
»»Vier Louisd'or ist er werth, 's ist ächte türkische Masse.«« –
Jener bewunderte sehr die zierliche Form und die Farbe
Und das reiche Beschläg'; dann begann er mit folgenden Worten:
»Seht, Ihr Lieben, schon sind es drei Wochen, daß Ihr uns verlassen;
Oede war mir das Haus, und mit Sehnsucht zählt' ich die Tage.
Fleißig hatt' ich vollbracht, was der Vater zur Arbeit gelassen,
Bald vermessen den Forst und vollendet den jährlichen Holzschlag.
Auch im Garten war ich nicht faul; ich hatte den Abschluß
Des Quartals nur noch; auch damit kam ich zu Stande.
Müßig hielt ich's nicht aus; da gedacht' ich Josephens Geburtstag,
Der auf den Montag fällt; überraschen wollt' ich Euch Alle,
Und am festlichen Tag mich selbst Josephen bescheren.
Töplitz, so dacht' ich mir, hält Dich einen Tag, auch wol länger;
Und so ging ich am Donnerstag aus; ein herrlicher Morgen
Strahlte dem fröhlichen Blick aus tausend Blüthen entgegen.
Längs der Müglitz führte der Weg mich, der vielfach gekrümmte,
Durch des Felsenthals verschlungene düstere Windung.
Schauerlich standen die Fichten umher auf den Höhen der Berge,
Einzelne Hütten zerstreut, im Grunde war's heimlich und stille;
Und ich ergetzte mich an dem röthlichen Spiele der Wellen:
Schäumend brach sich der Fluß an des Ufers steinernen Rippen.
Als ich gen Bärenstein kam, zur alten düsteren Feste,
Kehrt' ich beim Förster ein; denn Mittag war's, und die Sonne
Prallte glühend heiß zurück von den Wänden des Thales.
Werner war nicht daheim, blos die junge Frau mit den Kindern.
Herzlich empfingen sie mich, und sie eilten, ein Mahl zu bereiten,
Früchte, Eier und Milch, was ihre Küche vermochte;
Denn die Gegend ist arm, und nichts war im Dorfe zu haben.
Doch wir waren vergnügt und gedachten vergangener Zeiten.
Werner und ich sind zugleich in die Schule gegangen; da wußt' ich
Denn so manchen Streich zu erzählen, je toller, je besser.
Aber plötzlich erscholl's von der Straße: Ach, rettet die Kinder!
's ist ein wüthiger Hund! Schnell riß ich die Flinte vom Nagel,
Stürzte hinaus und sah des Försters Kinder und andre
Von der Bestie verfolgt; die Mütter schrien um Hilfe.
Also schlug ich an und schoß; da stürzte das Unthier,
Und die Mütter jubelten laut; ich hatte den Liebling
Jeder gerettet; umringt war ich von dankenden Menschen.«
»Brav, mein Sohn,« fiel der Alte ihm ein, »ein Schuß, der sich lohnte!
Solche Thaten zahlt Gott, mag man sie hier unten vergessen.
Mädchen, gieb 'mal dem Jungen 'nen Kuß, recht voll und recht herzlich!« –
Thränen im Auge trat sie erröthend hin zum Geliebten,
Drückte den rosigen Mund auf die Lippe des glücklichen Jünglings,
Und dem Jäger war's wie seliger Geister Begrüßung.
Aber es störte bald ihn der Vater aus tiefer Begeistrung,
Forschend, wie er den Weg nach dem reizenden Böhmerland einschlug.
Und er sammelte schnell die Sinne, und also begann er:
»Bleiben sollt' ich durchaus; doch ich schied mit herzlichen Worten,
»Und sie geleiteten mich bis weit auf den Berg, da riefen
»Alle mir Lebewohl zu und Gottes Frieden und Segen;
»Aber ich eilte fürbaß, noch aus weiter Ferne sie grüßend.
»Tief im Herzen war ich gerührt; in Träume versunken
»Kam ich zum Wald, der hoch zu des Berges Gipfel hinaufführt.
»Langsam stieg ich empor und gewahrte von ferne das Kirchlein,
»Mückenthürmchen genannt. Ich förderte schnell meine Schritte,
»Oben stand ich und schaute hinab, berauscht von Entzücken;
»Vor mir lag paradiesisch Gefild, und grünende Berge
»Knüpften die blühende Welt an des Himmels dämmernde Ferne.
»Lange Zeit stand ich wie berauscht vor dem göttlichen Anblick;
»Da rief's glockenhell aus der Tiefe herauf, zu der Vesper
»Läutete man im Dorfe; da war's, als erwacht' ich vom Traume,
»Und ich eilte hinab und rastlos weiter bis Töplitz.
»Spät schon war's, als ich in die Töpferschänke hineintrat.
»Bestens ward ich begrüßt, man gab mir ein freundliches Zimmer,
»Und ich pflegte mich baß nach des Tages Last und Erhitzung.
»Liebliche Träume umgaukelten bald den glücklichen Schläfer,
»Bis des Morgens Wehn durch das offne Fenster mich weckte.
»Bleiben wollt' ich in Töplitz, so hatt' ich es ernstlich beschlossen;
»Aber der freundliche Tag ließ mich nicht ruhen und rasten,
»Und die Sehnsucht zog mich zu Euch. So eilt' ich denn weiter.
»Gestern kam ich bis Podersam und wanderte heute
»Fröhlich und frischen Muths dem Herzen nach und der Sehnsucht,
»Die mich hieher geführt. Und jetzo bin ich am Ziele,
»Find' Euch froh und gesund und freue mich laut meiner Lieben.« –
Also beschloß der vortreffliche Jüngling und reichte den Aeltern,
Reichte Josephen die Hand, und Alle drückten sie herzlich.
Drauf begann die Mutter: »»Ei, Sohn, erzähl' uns doch weiter
»»Von der Gevatterschaft; Du weißt, mich freut das vor Allem!«« –
Aber der Vater fiel ihr ins Wort: »Ei, Mutter, was denkst Du?
»Rudolph sehnt sich gewiß zur Ruhe nach solcher Ermüdung;
»Drum gute Nacht, mein Sohn! Josephe, zeig' ihm das Zimmer!« –
»»'s ist auch wahr, ich dachte nicht dran,«« versetzte die Mutter,
»»Schlafe wohl, und segne Dich Gott!«« – Ihr dankte der Jüngling,
Gab dem Vater die Hand und ging. Es führt' ihn Josephe.
Freundlich schloß sie das Zimmerchen auf; sie hatte mit Blumen
Ihm das Fenster geschmückt, den lieben Gast zu begrüßen.
Innig war er erfreut und dankte mit herzlichen Worten.
Aber sie eilte hinaus, ein flüchtiges Lebewohl nickend.
»Einen Kuß noch,« rief er ihr nach, »nur noch einen, Josephe,
»Sei barmherzig!« Sie hüpfte zurück und steckte das Köpfchen
Schalkhaft zur Thüre herein, reicht' ihm die Lippe zum Kusse.
»Dank Dir,« rief er entzückt, »und nun gute Nacht, süßes Liebchen!« –
»»Schlummere süß!«« so flüsterte sie und schwebte von dannen.
Lange sah er ihr nach; ein stiller, heiliger Frieden
Wehte durch seine Brust wie Frühlingsträume der Liebe,
Und es wiegte die Nacht in selige Träume den Jüngling.

Zweiter Gesang.

Dämmerung webt noch still in des Thales verschlungener Tiefe;
Nur den Gipfel des Bergs begrüßt die Sonne mit Rosen,
Und der lebendige Tag erwacht auf den Höhen. Dort unten
Schlummert noch Alles tief, die sanften Träume des Morgens
Schweben mit fröhlichem Sinn um das Lager der glücklichen Schläfer,
Und die vergangene Zeit tritt ohne den Schmerz vor die Seele.
Aber die Sonne steigt, es fallen die Strahlen des Lebens
Ueber die Berge herein, aus den Thälern flüchtet der Nebel,
Der mit dunkler Gewalt noch die blühenden Fluren umarmt hielt,
Und in den Perlen des Thau's, im Schmelz der erwachenden Fluren
Spiegelt sich tausendfach des Morgens glühender Brautschmuck.
Sieh, und es öffnen sich dem jungen Tage die Fenster,
Und die Thüre geht auf, es regt sich das Leben aufs Neue!
Aber Josephe lag noch, von lieblichen Träumen umgaukelt,
Sanft, wie nur Engel ruhn. Es schläft sich so herrlich am Morgen,
Und sie schlummerte gern noch ein Stündchen. Da pocht's an der Thüre,
Und der Vater ruft leise herein: »'S ist Zeit an den Neubrunn!
»Auch zum Sprudel wandert man schon!« – Das wirkt' wie ein Zauber.
Schnell vom Lager empor – der Morgenputz wird bereitet,
Bald vollendet in flüchtiger Zeit ist das flüchtige Kunstwerk,
Und die Grazie wirft einen heitern Blick in den Spiegel.
Aber der Vater war und die Mutter längst schon gerüstet,
Als das blühende Kind mit zierlichem Gruße hereintrat.
Beide umarmten sie, einen freundlichen Morgen ihr wünschend.
»»Aber wo bleibt doch der Rudolph?«« versetzte das liebliche Mädchen;
»»Denn zum Neubrunn muß er durchaus mit, auch macht's ihm Vergnügen.
»»Wartet, ich weck' ihn sogleich!«« sie sprach's und eilt' aus dem Zimmer
Hin zu Rudolph's Gemach; dort pochte sie leis an die Thüre.
»»Schläfer, ermuntere Dich, wir warten Deiner zum Neubrunn!««
Also klang ihr melodischer Ruf zu dem glücklichen Jüngling;
Und er erwachte aus lieblichem Traum zur schöneren Wahrheit.
Freudig entgegnete er: »Sogleich, mein treffliches Mädchen,
»Bin ich bei Euch, drum verweilt und verzeiht dem ewigen Schläfer!«
Schnell sprang er nun in die Kleider hinein, ein zierlicher Jagdrock
Schlug um die Hüfte, es klirrte der Sporn an dem glänzenden Stiefel,
Und das dunkle Haar flog in reicher Pracht um die Stirne.
Also trat er zu Jenen hinein; viel Grüße des Morgens
Tönten dem Jünglinge zu, und herzlich erwidernd begann er:
»Wie mich die Nacht doch hier in weit seligern Träumen umgaukelt,
»Und wie der junge Tag heut um so schöner mich anlacht!
»Alles ist mir vertraut und hold, wohin ich nur schaue;
»Denn ich bin ja bei Euch, in der Liebe geheiligter Nähe,
»Ach, des unendlichen Glücks!« – Gerührt schwiegen Mutter und Vater;
Aber Josephe küßte ihm freundlich das Wort von der Lippe,
Zog ihn scherzend zum Spiegel und rief, die Locken ihm ordnend:
»»Ei, wie bist Du so hübsch, Du hast mir noch nie so gefallen;
»»Jedes Mädchen soll heute den schönen Jäger bewundern.
»»Aber werde nicht stolz und vergiß um die herrlichen Blumen
»»Nicht des Veilchens bescheidenen Sinn und die gute Josephe!««
Also schäkerte sie; doch der Vater ermahnte zum Aufbruch,
Nahm die Mutter am Arm, und Rudolph führte sein Mädchen;
Und sie schritten hinab, die Johannisbrücke vorüber,
Ueber den Markt und so durch die Mühlbadgasse zum Neubrunn.
Volles Gewühl war da, es wogte auf Gang und Terrassen;
Harfenmusik erschallte darein und Gesänge der Mädchen,
Und um den dampfenden Quell stand ungeduldig die Menge.
Aber mit neidischem Blick sahn Viele die sanfte Josephe
An des Jünglings Arm; denn schön war Rudolph vor Allen,
Braun von der Sonne gefärbt zwar das männliche Antlitz; doch trefflich
Stand ihm der Locken Gold dazu und das Feuer des Auges.
Aber den Jäger kümmert' es nicht, die Blicke der Frauen
Glitten ohne Gewalt an dem treuen Herzen vorüber.
All das Treiben gefiel ihm nicht, er hätte Josephen
Gern so Manches gesagt, von Hoffnung und Liebe gesprochen;
Aber wenn die Sehnsucht ihm wuchs und das Herz ihm so voll ward,
Trat ihm der kalte Gruß von Brunnenbekanntschaft entgegen,
Und er verzweifelte fast. Da rief sie der Vater nach Hause,
Und sie eilten sogleich, und Rudolph ward fröhlichen Muthes;
Denn Josephe versprach: »»Nach dem Frühstück geht's auf den Hirschsprung,
»»Und wir sind dann allein; da sollst Du mir Alles erzählen.««
Unter den Bäumen dort vor dem steinernen Haus stand ein Tischchen,
Weiß mit Linnen gedeckt, es dampfte in bläulicher Kanne
Schon der freundliche Trank den Kommenden lieblich entgegen;
Nicht vergessen war die Menge der köstlichen Brezeln
Sammt der Kalatschen Gebäck, in zierlicher Ordnung geschichtet;
Nicht vergessen war auch der Schmetten voll herrlichen Schaumes
Und der Zucker zugleich, in krystallner Schale verschlossen.

 


 

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