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Gutenberg > Theodor Körner >

Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 174
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
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Epische Fragmente.

Eduard und Veronika
oder
Die Reise ins Riesengebirge

1809.

Erster Gesang.

    Traulich im süßen Gespräch saß der Graf und die liebliche Gräfin
Mit dem begeisterten Freund unter hohen duftenden Linden,
Die in blühender Pracht den Eingang zum Schloßhof umwölbten.
Matt durchs grünende Dach der Zweige blickte der Vollmond,
Und ein heiliger Traum lag nächtlichstill auf den Fluren.
»Daß der Mensch,« so begann der Graf mit wehmüthigem Lächeln,
»Erst im letzten Moment, in der Stunde der schmerzlichen Trennung,
»Freundes Werth erkennt in der ganzen Fülle des Wortes;
»Daß er nicht eher begreift des Lebens heiligste Töne,
»Bis er im doppelten Schmerz das doppelt Verlorne beweinet!« –
»Aber nicht Wehmuth allein,« entgegnet ihm feurig der Jüngling,
»Füllt mir die wogende Brust; die Liebe der trefflichen Freunde,
»Die mich so gütig behaust, tritt jetzt im schöneren Lichte
»Göttlicher mir vor die Seele. Wen sie des Bundes gewürdigt,
»Der blickt muthig hinaus, der eignen Stärke vertrauend,
»Und der Glaube versüßt die bittersten Stunden des Abschieds.« –
Aber schnell unterbrach die liebliche Gräfin den Jüngling:
»Was verbittert Ihr Euch so gewaltsam den herrlichsten Abend?
»Treten mir doch schon die Thränen ins Auge! Und soll ich im Voraus
»Fühlen den Schmerz, wie der Freund aus dem traulichen Kreise hinwegeilt?
»Lasst uns die Stunden doch, die letzten, recht freudig genießen!
»Saßen wir doch schon so oft im heimlichen Dunkel der Linden,
»Und es erzählte der Freund uns vom herrlichen Rom, von Neapel,
»Wie ihn das schöne Land der heiligen Künste ergriffen,
»Und es war uns, als hätten wir selbst Italien durchwandert;
»Drum so magst Du uns jetzt den Weg Deiner Reise verkünden,
»Daß wir im Geiste Dich dort auf Deinen Pfaden begleiten,
»Und auf der Karte der Finger mit Dir, Dich verfolgend, auch Schritt hält;
»Denn es ist der lieblichste Trost für Entfernte, zu wissen,
»Wo der Freund jetzt lebt, und welche Lust ihn ergetzte.« –
Eduard drauf, der muthige Jüngling, entgegnet ihr also:
»Willig und gern erfüll' ich die Bitte der lieblichen Freundin,
»Und so nenn' ich's Euch kurz, wie meine Wege mich führen.«
Drauf erzählt er genau, wie er morgen mit grauendem Tage
Aufzubrechen sich endlich bestimmt, gen Schmiedeberg wandernd,
Wie er die Koppe dann, die himmelanstrebende Riesin,
Zu ersteigen gedächt', um so auf dem Kamm des Gebirges,
An den Gruben vorbei, wo ein ewiger Schnee sich gelagert,
Bis zur Kochel, die tief sich in schäumenden Bogen hinabstürzt,
Und zu des Zackerla's hochbrausendem Fall zu gelangen.
»Dann,« so sprach er, »ersteig' ich des Kynast's gewaltige Feste,
»Und hält Warmbrunn mich, das freundliche Oertchen, nicht länger,
»Kehr' ich endlich zurück und ziehe ein in die Heimath.« –
Also der Jüngling, und drauf entgegnete herzlich der Graf ihm:
»Wunderbar ist doch der Drang nach alten bekannten Gestalten,
»Nach den Plätzen, wo früh wir gespielt, nach Häusern und Gärten,
»Ja, nach alten Geräthen sogar, die als Zeugen der Vorwelt
»Rückwärts uns führen ins bunte Gewühl der fröhlichen Jugend;
»Und ist die Liebe zur Heimath wol etwas Andres? und dennoch
»Bleibt es der lichteste Punkt im Vergangnen so wie in der Zukunft.« –
Also des Grafen Wort. Da schlug ein nächtlicher Sprosser
Hoch im Gipfel des Baums und flötete liebliche Töne;
Und begeistert ergriff die Gräfin die Hände der Männer,
Und sie horchten dem Lied und gedachten vergangener Zeiten.
Lange saßen sie schweigend, da weckte endlich die Schloßuhr
Sie aus seligem Traum, und die liebliche Gräfin begann jetzt:
»Lass't uns scheiden, Ihr Freunde! denn spät schon ist es, und morgen
»Will uns Eduard ja mit grauendem Tage verlassen;
»Also bedarf er des Schlafs. Freund, schone Dich ja auf der Reise!
»Nimm Dich in Acht vor Erkältung, denn fürchterlich stürmt's im Gebirge;
»Bitte, schreibe nur bald, und schreibe recht oft, daß wir nimmer
»Sorg' und Angst um Dich tragen und wir den Glauben behalten,
»Daß Du noch oft an uns denkst, und daß Du den Bund nicht vergessen!«
Also die Gräfin. Ihr dankte der Freund für die zarte Besorgniß;
Und so wechselten sie viel herzliche Worte der Liebe.
Keiner wollte zuerst des nahen Abschieds gedenken,
Und schon perlten Thränen im lieblichen Auge der Gräfin;
Da ermannte sie schnell sich im stillen Schmerze der Trennung,
Küßte den Jüngling und rief: »Leb' wohl und gedenke der Freundin!«
Und so entfloh sie ins Schloß. Ihr folgten schweigend die Freunde,
Fest sich umschlingend und still des Verlustes Größe erwägend.
Und sie gingen hinauf bis vor Eduard's Thür; da umfaßte
Innig der Jüngling den Freund, und sie küßten sich herzlich zum Abschied.
Endlich riß sich der Graf aus Eduard's heißer Umarmung,
Drückt' ihm noch einmal die Hand und verschwand, und allein war der Jüngling.
Lange stand er noch so und blickte voll Sehnsucht dem Freund nach,
Oeffnete leise dann das Fenster, griff still zu der Flöte,
Und es schwebte das Lied in den heiligen Tönen der Wehmuth
Durch das Schweigen der Nacht und lockte ihm Thränen ins Auge.
Da schlug lauter sein Herz, und gerührt entsank ihm die Flöte.
Stiller und seliger blickt' er nun in das Schimmern des Vollmonds,
Und es glühte sein Herz der ewigen Liebe entgegen,
Und manch liebliches Bild entstieg der begeisterten Seele.
Lange noch starrt' er hinaus, da riß er sich los aus den Träumen
Und begann mit emsiger Hand sein Bündel zu schnüren,
Legte die Ilias mit hinein und das englische Fernrohr
Und ein Kästchen, gefüllt mit römischer Kreide und Bleistift,
Auch elastisches Harz und ein Messer mit doppelter Klinge
Und das Zeichenbuch auch mit Papier von mancherlei Farben;
Alles packt' er genau und fest in das lederne Ränzel,
Wog es bedächtig dann, ob es nicht zu schwer sei, erwägend;
– Denn eine große Last ermüdet den eifrigsten Gänger,
Und der Bedürfnisse sind ja auf solcher Reise nur wenig. –
Ueberlegend stand er dann still, ob er etwas vergessen,
Und es fiel ihm die Flöte noch ein; er ergriff sie behende,
Oeffnete schnell das Ränzel und packte sie sorglich in Leinwand.
Jetzt bedacht' und besorgt' er noch Manches und schrieb in die Heimath,
Zog dann gemächlich sich aus und warf sich nieder aufs Lager,
Und bald wiegte die Nacht ihn in bunte liebliche Träume;
Und ihm war's, als stieg er hinauf auf die Gipfel der Berge,
Und er blickte zurück, und Nebel verhüllte die Erde,
Da erhob sich in goldner Pracht die Fackel des Tages;
Doch das freundliche Licht bekämpfte vergebens den Nebel,
Und im Wasser erschien eine zweite glänzende Sonne,
Und der Nebel verschwand, und heller ward's in der Ferne.
Aber jetzt ras'ten die Sonnen im donnernden Laufe zusammen,
Göttlich glühte die Welt, von flammenden Wogen erleuchtet,
Und ein heiliges Sehnen zog aufwärts ihn in das Gluthmeer,
Und es brach ihm das Herz in großer, unendlicher Wonne.
Da erwacht' er, und glühend begann es in Osten zu tagen;
Und er erhob sich rasch und warf sich schnell in die Kleider,
Lud das Ränzel sich auf, festschnallend das lederne Tragband,
Griff zum Knotenstock dann, aus trefflichem Schwarzdorn geschnitten,
Und so verließ er das Schloß, und vorwärts trieb ihn die Sehnsucht.
Oft noch blickt' er zurück und gedachte der schlummernden Freunde
Und der lieblichen Zeit im stillen Kreise der Edlen;
Aber endlich verschwand ihm das Schloß, es drängten sich neue
Bilder herauf, und er schritt mit fröhlicher Lust durch den Morgen.
Da gedacht' er des Traums und versuchte das Räthsel zu deuten,
Und er verlor sich bald im bunten Spiel der Gedanken.
Manches Thal durchwandert' er nun, es führt' ihn die Straße
Manchem Dorfe vorbei, und Fürstenstein sah er von ferne,
Stolz, in herrlicher Pracht, wie es niederblickt in die Tiefe;
Schimmernd ragten die Thürme empor aus den blühenden Bäumen,
Und es flammte das Glühen des Tags in den spiegelnden Fenstern.
Lange betrachtete es der sinnige Jüngling und konnte
Spät und ungern nur vom lieblichsten Bilde sich trennen;
Doch er wanderte weiter und sang sich manch fröhliches Liedchen.
Höher stieg nun die Sonne am Himmel herauf, und von ferne
Sah er die Thürme jetzt von Landshut, und näher und näher
Kamen sie ihm, und er schritt jetzt schneller und muthiger vorwärts.
Bald erreicht' er die Stadt, und das beste Wirthshaus erfragend,
Wies man ihn auf dem Ring sogleich in den Gasthof »zum Raben.«
Grüßend trat er zur Stube hinein, und die freundliche Wirthin
Nannte dem Jüngling schnell, was Küche und Keller vermochte;
Drauf erwählte Eduard sich Kaltschale von Weißbier
Und Forellen mit grünem Salat – er kühlt auf der Reise –,
Auch ein Fläschchen östreicher Wein, ihn in Wasser zu trinken;
Denn nichts löschet den Durst wol besser als dies bei der Wandrung.
Bald erhielt er, was er verlangt, und es schmeckte ihm köstlich;
Trefflich mundete ihm der Wein nach der Hitze des Tages,
Und er trank im Stillen der fernen Freunde Gesundheit.
Als er durch Speise und Trank sich gestärkt, so streckt' er ermüdet
Sich auf dem Kanapee aus und ruhte noch einige Stunden,
Wo er von Zeit zu Zeit in sanften Schlummer sich wiegte.
Dann erhob er sich rasch, bezahlte der Wirthin die Rechnung,
Warf sich das Ränzel um und schied von dem freundlichen Landshut.
Munter ging er nun vorwärts, die große Straße verfolgend,
Ging durch Schreibendorf durch und durch das lange Rothzeche,
Bis er endlich dann zum Anfang des Waldes gelangte,
Wo er, vom Schatten gekühlt, die Landshuter Berge hinaufstieg.
Lange noch führt' ihn der Weg durch die düstere, einsame Waldung,
Und den Blick in die Ferne verwehrten unzählige Bäume;
Aber auf einmal ward's licht und heller zwischen den Zweigen,
Und ein Fußweg führte hinaus auf die Höhe des Felsens.
Ach! und da lag ihm die schöne, die göttliche Welt zu den Füßen,
Und er stand geblendet vom höchsten Reize der Erde.
Unter ihm lag, geschmückt mit bunten unzähligen Dächern,
Schmiedeberg, die freundliche Stadt, und jenseits erhoben
Stolz sich die Riesen des Landes, verknüpft zur ewigen Kette,
Längs am Horizont zur gewaltigsten Mauer aufstrebend;
Links die Mordhöhn zuerst und die schwarze Koppe, der Forstkamm,
Dann die Königin des Gebirgs mit der hohen Kapelle,
Und der Koppenplan und die steilen Ränder der Teiche,
Dann der Mittagsstein und die Sturmhaube, so auch der Querberg,
Und der Lahnberg auch, das Große Rad und die Gruben,
Dann der Reifträger zuletzt, und des Kynast's weitschimmernde Feste.
Göttlich und groß war der Blick in Fern' und Tiefe, und kräftig,
Nur mit leichtem Kontur im blauen Aether sich malend,
Strebte die kecke Form der stolzen Gebirgskette aufwärts.
Feurig schwamm die Natur in der warmen Beleuchtung des Abends,
Und es glühte die Welt in den scheidenden Strahlen der Sonne.
Hohe Begeistrung erfüllte die Brust da des trefflichen Jünglings,
Und er starrte mit festem Blick ins versinkende Gluthmeer,
Und mit stiller Gewalt ergriff ihn des Augenblicks Größe.
Doch er riß sich gewaltsam los, schon begann es zu dämmern,
Und er eilte die Straße hinab mit rüstigem Schritte.
Bald erreicht' er die Stadt, schon glänzte am Himmel der Vollmond,
Und der Jüngling schritt über den Ring in den Gasthof »zum Sterne«,
Wo ihm der flinke Markör geschäftig sein Kämmerchen anwies.
Müde warf er sich hier auf das weiche Kanapee nieder
Und erwartete so in stillen Träumen die Speisen,
Die man ihm jetzt sogleich auf zierlichen Tellern herbeitrug,
Und es schmeckte ihm wahrlich gar köstlich nach solcher Ermüdung.
Aber er sehnte vor Allem nach Ruhe sich und Erholung;
Denn schon morgen wollt' er hinauf und ersteigen die Koppe;
Und so warf er sich denn auf die weichen, reinlichen Betten,
Kaum die Zeit sich erlaubend, um schnell die Kleider zu lösen.
Bald auch schloß er die Augen, und Nacht umflorte die Seele,
Und ein tiefer Schlaf lag lieblich und still auf dem Jüngling.

Zweiter Gesang.

Fest und innig umarmte der Traum noch die schlummernde Erde,
Und nur des Wächters Ruf unterbrach die nächtliche Stille;
Aber bald ward es heller in Osten, es graute der Morgen,
Und Aurora, das Haar mit glühenden Rosen durchflochten,
Zog die erwachende Welt in den Frühlingszauber des Lichtmeers.
Und es begann auf der Straße lebendig zu werden, laut knarrte
Schon der Riegel des Thors, der den Eingang sicher verwahrt hielt,
Und es öffneten sich dem freundlichen Tage die Fenster;
Doch es schlief noch der Jüngling, von lieblichen Bildern umgaukelt.
Und die Sonne stieg höher empor, und lauter und deutlich
Tönte das Murmeln herauf geschäftiger, emsiger Menschen,
Schnell mit dem Tage zugleich des Tages Beschwerde ergreifend;
Aber doch schlummerte Eduard noch in friedlichen Träumen,
Küßte die Sonne auch längst schon die bräunliche Wange des Jünglings.
Endlich erschien der Markör mit der Kanne voll dampfenden Kaffees,
Mit dem Töpfchen voll Rahm und dem reichlich bezuckerten Milchbrod;
Da erwachte der Jüngling und warf sich schnell in die Kleider,
Freute sich baß ob des herrlichen Wetters – denn günstig zur Wandrung
War ihm der freundliche Tag – und schlürfte das reichliche Frühstück.
Dann berief er den Boten, den kund'gen des Wegs im Gebirge,
Den er des Abends zuvor zum treuen Führer gedungen,
Lud ihm des Ränzels Last auf die breiten, willigen Schultern,
Zahlte die Rechnung und ging, von dem freundlichen Schmiedeberg scheidend.
Vor ihm lag in unendlicher Pracht, in der Fülle des Morgens,
Stolz das hohe Gebirg mit himmelanstrebender Großkraft,
Und ihn zog die Sehnsucht hinauf zu dem Gipfel der Berge;
Ach, und über die Berge hinweg, über Erden und Welten
Trieb ihn die kühne Gewalt der wildbegeisterten Seele!
Da ergriff er, um rasch den gewaltigen Sturm zu bekämpfen,
Der ihm durchwogte die Brust, dir Wohllaut zaubernde Flöte,
Und es brauste das Meer der künstlich verschlungenen Töne,
Bis es in leises Wehn sich der heiligsten Liebe gewandelt.
So in melodischer Kraft entschwebte der flüchtige Wohllaut,
Und dem Weltgeist erglühte das Lied des begeisterten Jünglings,
Und der Sehnsucht Gewalt versank in den Wogen des Einklangs.
Endlich verstummte das Lied, und schweigend durchzog er Steinseifen,
Zog durch Krumhübel durch, voll bunter lieblicher Gärten;
– Denn es wachsen daselbst der heilsamen Kräuter gar viele,
Die man mit fleißiger Hand zum wohlthuenden Balsam bereitet,
Und schon Mancher ward so dem nahenden Tode entrissen. –
Steiler ward nun der Pfad, durch schattiges Laubholz sich schlängelnd,
Und es schritt der Jüngling mit frischer Jugendkraft vorwärts;
Da unterbrach zuletzt der keuchende Bote die Stille:
»Läuft doch der junge Herr, als hätt' er's von Kindheit getrieben;
»Schon' Er den Athem nur auch, denn gar hoch ist's noch bis zur Koppe!
»Sachte! ich kann ja kaum nach; nur mäßig, es geht ja bergaufwärts!«
Aber Eduard stieg unermüdlich, es trieb ihn die Sehnsucht,
Und er hörte nicht mehr auf die Rede des keuchenden Führers,
Der mit des Ränzels Last in weiter Entfernung zurückblieb,
Und der also zuletzt dem Jüngling, dem eilenden, nachrief:
»Länger vermag ich's nicht, vergönn' Er mir immer zu ruhen;
»Nur ein Wenig bedarf's, um schnell die Glieder zu stärken,
»Und mit frischer Kraft dann steigen wir muthiger vorwärts.«
So der Bote, und ihm gewährte die Bitte der Jüngling.
Und er warf sich hin in den Schatten der flüsternden Buchen,
Dehnte mit freudiger Lust die jugendlich-kräftigen Glieder,
Und behaglich streckt' er sich aus auf dem üppigen Moose,
Still den sanften Gesang harmloser Zirpen belauschend.
»Heut,« so begann der Bote und nahm die Pfeif' aus dem Munde,
»Heut hat's Koppenfest, ja, heute hat's Leben dort oben;
»Soll sich der junge Herr doch wundern, wenn er die Menge
»Menschen sieht, die sich da zu Gottes Worte versammeln.
»Ist's doch fast wie ein Jahrmarkt, so treibt man sich wild durch einander;
»Ach, und was hat's da für treffliche Kuchen, für Bier und für Branntwein!
»Größere Lust giebt's nicht zehn Meilen weit in der Runde.«
Also sprach er und stopfte sich jetzt gemächlich sein Pfeifchen.
Drauf erkundigte Eduard sich nach des Festes Gewohnheit,
Nach den Gebräuchen des Tags, und der Bote versprach zu erzählen;
Aber zuvor nahm er glimmenden Schwamm und brannte die Pfeife,
Und mit kräftigem Zug den Dampf einschlürfend, begann er: – –

In einem Buche handschriftlicher »Kollektaneen zu einer Reise auf das Riesengebirge« von Theodor Körner, welches mein Eigenthum ist, findet sich zu dem anmuthigen, leider unvollendet gebliebenen Gedichte nachfolgender Plan:

1. Gesang: Das Kupferwerk Schmiedeberg. Eduard, seine Verhältnisse, Entschluß zur Reise, Ankunft in Schmiedeberg.

2. Gesang: Ansicht der Riesenkoppe. Eduard besteigt die Koppe. Koppenfest. Er sieht Veronika beten.

3. Gesang: Das Kupferwerk. Die Wiesenbaude. Ankunft auf der Wiesenbaude. Er geht in Rübezahl's Garten und begleitet sie. Rückkehr. Nacht auf dem Heuboden.

4. Gesang: Das Kupferwerk. Der Drachenstein. Eduard findet heim Aufstehen Veronika nicht mehr, die bei ihrer Eile schon fort war. Wanderung nach den Teichen. Dreistein. Sturmhaube. Großes Rad. Schneegruben.

5. Gesang: Das Kupferwerk. Elbfall. Elbfall. Elbbronnen. Veilchensteine. Sonnenuntergang. Ankunft in der neuen schlesischen Baude.

6. Gesang: Das Kupferwerk. Die neue schlesische Baude. Veronika in ihrer Häuslichkeit. Abendmahl.

7. Gesang: Das Kupferwerk. Zackenfall. Veronika mit der Herde. Ihr Gesang. Zackenfall. Goldkammer. Der erste Kuß.

8. Gesang: Das Kupferwerk. Kochelfall. Wanderung zum Kochelfall. Erklärung. Rückkehr. Die Aeltern. Verlobung.

9. Gesang: Kynast. Veronika begleitet ihn bis zum Kynast. Warmbrunn. Table d' hôte. Prior. Rückkehr nach Hause.

10. Gesang: Hampelbaude. Wiedersehen. Anstalt. Wanderung zur Baude. Abend.

11. Gesang: Koppenkapelle. Sonnenuntergang. Koppenfest. Traukranz. Abschied von den Aeltern.

12. Gesang: Buchwald-Pavillon. Ankunft. Schmiedeberg. Brautnacht. Morgen. Buchwald. Abreise.

            Friedrich Förster.

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