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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 169
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
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Der Teufel in Salamanka

Es giebt eine alte wahre Lehre,
Und gute Christen glauben dran:
Der Teufel, wenn er noch so mächtig wäre,
Hat doch dem Klugen nie was an.
Wer muthig ist und fein dabei,
Bleibt aller Satanskünste frei.
Das hat wol Mancher schon erfahren. –
Doch will ich zu Gunsten ungläubiger Seelen
Als Beispiel Euch noch ein Märlein erzählen.

    Als einst vor vielen langen Jahren
Zu Salamanka im Kellergewölbe
Der Teufel auf dem Katheder saß,
Wie and're Doktoren, und derselbe
Schwarze Kunst nach eignen Heften las,
Da hatt' er viel Zulauf, das läßt sich denken,
Es wimmelte Alles auf Tischen und Bänken,
Denn er verstand sich herrlich darauf;
Und ward die Magie ihm gar zu trocken,
So gab er weislich lustige Brocken
Und spaßhafte Schwänke die Menge in Kauf.
Das war so ganz für der Herren Magen,
Kein andres Kollegium mocht' ihnen behagen,
Und sie sahn das erste Mal mit Gram,
Daß auch das Halbjahr zu Ende kam.
Das freute den Argen, und er rief schließlich:
»Gewiß ist Euch meine Weisheit ersprießlich,
»Das ist Euch Allen sicher schon klar;
»Drum ersuch' ich ums billige Honorar
»Und bitte mir, ich sag's grad heraus,
»Eine von Euren Seelen aus.
»Wer zuletzt wird aus der Kellerthür gehn,
»Dem will ich und soll ich den Hals umdrehn.
»Wenn's Euch gefällt, so mögt Ihr loosen.«
Da fingen die Herren an zu tosen,
Schimpften den Doktor einen argen Wicht,
Schwuren insgesammt unverhohlen:
Der Teufel solle den Teufel holen;
Aber all ihr Sträuben half da nicht.
Sie mußten sich endlich doch bequemen,
Die fatalen Würfel zur Hand zu nehmen.
Zur Hölle verdammt war ein junger Graf,
Da er die niedrigsten Zahlen traf;
Doch behielt er den Kopf auf der rechten Stelle
Und meint': Noch gehör' ich nicht der Hölle,
Noch hat der Teufel mich nicht in den Klauen,
Drum will ich noch menschlicher List vertrauen!
Drauf stellt sich der Teufel zur Kellerthüren
Und ließ Einen nach dem Andern passiren,
Und als nun der Graf als der Letzte kam,
Der Teufel ihn bei der Kehle nahm.
Der aber schrie: »Hast keinen Theil an mir!
Das Loos traf meinen Hintermann hier!«
Und wies auf den Schatten an der Wand;
Denn die Sonne dem Keller schiefüber stand.
Da hielt ihn der Teufel länger nicht;
Denn er war geblendet vom Sonnenlicht
Und packte wüthend im argen Wahn
Mit seinen Klauen den Schatten an.
Der Graf schlüpfte behend hinaus
Und lachte den armen Teufel aus.
Doch noch was Wunderbares sich fand:
Denn als er in lichter Sonne stand,
Erschraken Alle und staunten sehr: –
Der Graf warf keinen Schatten mehr!

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