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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 166
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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Dido

Ich gestehe gern, daß die Anlage dieser Ballade wider die Geschichte und sogar wider alle Wahrscheinlichkeit sündigt; sie steht also blos der Ausführung wegen da. (Anm. des Dichters.)

»Wie die weißen Segel fröhlich schwellen,
    »Auf den Silberwogen schwankt der Kiel!
»Sprich, wen trägt er durch des Meeres Wellen,
    »Und wo ist des Laufes fernes Ziel?« –
»»Fremdling! das ist Troja's Männerblüthe,
    »»Schwer entflohen aus der Städte Brand.
»»Dort gebeut der hohe Anchiside,
    »»Steuernd zum entfernten Land.«« –

»Wie? das wären Ilium's Erzeugte,
    »Die im blut'gen Kampf geprüfte Schaar?
»Und Aeneas, den kein Grieche beugte,
    »Den die holde Gnidia gebar?« –
»»Ja, sie sind's.«« – »Doch, kannst Du mir berichten,
    »Sprich, ist Keiner, der mir Fremden sagt,
»Was sie eilen und die Anker lichten,
    »Was sie in die Fluthen jagt?« –

»»Hast Du von den Tyriern gehöret?
    »»Kennst Du unsre große Königin?
»»Eros hat das hohe Herz bethöret,
    »»Alles gab sie dem Geliebten hin.
»»Und zum Gatten will sie ihn erheben,
    »»Denn Sichäus fiel durch Brudermord;
»»Doch zur fremden Küste geht sein Streben,
    »»Liebespottend flieht er fort.«« –

Und er sprach's. – Da stoßen sie vom Lande;
    Auf die Segel scheint der junge Tag.
Mancher Wunsch vom volkbesä'ten Strande
    Tönt den Langbehausten traurig nach.
Liebe hatte Vieler Herz entzündet,
    Heimisch waren sie auf fremder Flur;
Doch dem Anchisiden fest verbündet,
    Halten sie der Treue Schwur.

Und die Schaar der Stürme kommt gezogen,
    Wirft sich brausend in der Segel Bauch,
Fern und ferner schimmert's auf den Wogen
    Und zerfließt im düstern Nebelrauch.
Thränend schwimmt der Blick noch auf den Fluthen;
    Da betäubt ein wild Geschrei das Ohr.
Als der Königsburg in wilden Gluthen
    Steigt der Flamme Dampf empor.

Und die Menge wendet ihre Schritte,
    Stürzt sich ängstlich schreiend zum Palast;
Da steht Dido in der Diener Mitte,
    Weinend um den treulos-lieben Gast.
Aufgeschichtet droht in langen Zeilen
    Hoch der Holzstoß in des Hofes Raum,
Und die Flamme mit gefärbten Säulen
    Schlägt bis zu der Wolken Saum.

Jeder staunt und kann es nicht erfassen;
    Doch die Fürstin spricht, die Menge schweigt:
»Treulos hat der Trojer mich verlassen,
    »Riesenqual hat dieses Herz gebeugt –
»Drum der Holzstoß in des Hofes Hallen!
    »Zu der Gluth zieht mich das Schicksal hin;
»Denn beschlossen ist's: soll Dido fallen,
    »Fällt sie nur als Königin.

»Jarbas naht mit seinen Kriegerschaaren,
    »Und der Anchiside ist entflohn!
»Keiner kann das Zepter mir bewahren,
    »In den Flammen ist der Liebe Thron!
»Eingefallen sind der Herrschaft Stützen,
    »Und in seinen Festen wankt das Reich.
»Wer soll Euch, wer soll das Land beschützen?
    »Nur mein Tod errettet Euch.« –

Und sie stürzt sich in die heißen Flammen,
    Keine Erdenmacht hält sie zurück;
Und die Stämme brechen schnell zusammen,
    Sie verschwindet dem erstarrten Blick.
Doch, von wilden Gluthen nicht umzogen,
    Ragt des Stoßes Gipfel noch hervor,
Und sie ringt sich aus den Flammenwogen,
    Aus dem Feuermeer empor.

Oben steht sie. – »Fluch Dir, Anchiside,
    »Der der Treue heil'gen Schwur vergißt!
»Sieh, zertreten ist des Lebens Blüthe, –
    »Fluch der Stunde, wo ich Dich geküßt!
»Jetzt, – der Liebe und des Lebens Bande
    »Löst barmherzig der gezückte Stahl!
»In der Gluth begräbt sich meine Schande,
    »In der Gluth begräbt sich meine Qual!« –

Schnell durchbohrt sie sich des Busens Weiche,
    Rücklings sinkt sie in den heißen Tod;
Und die Gluth begräbt die heil'ge Leiche,
    Lodert auf zum Himmel blutigroth.
Niedersteigt auf goldnem Regenbogen
    Iris, löst des Todes bittren Schmerz,
Und von ihrer Götterhand gezogen,
    Schwebt die Seele himmelwärts.

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