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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 164
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150218
projectidb7b1768e
modified20170915
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Die vier Schwestern

Es hat eine Mutter vier Töchter gehabt:
Drei waren mit mancherlei Reiz begabt;
Die vierte, der Mutter Sorg' und Gram,
War aber an allen Gliedern lahm
Und konnte nicht gehen und konnte nicht sprechen;
Das wollte das Herz der Mutter brechen.
Und als sie fühlt, daß es aus mit ihr sei,
Da mußten ihr die drei Schwestern geloben
Beim Vater dort oben,
Des armen Kindes zu pflegen treu.
Drauf ist die Mutter in Frieden
Nach kurzem Gebete verschieden.
Und die Schwestern hielten ihr heiliges Wort,
Als wär' das Kind ihr höchster Hort;
Doch der Armen nimmer die Sprache kam,
Und sie blieb an allen Gliedern lahm.
Bis einst ein festlicher Morgen graut,
Der die älteste fröhlich begrüßt als Braut,
Da haben sie erst in später Nacht
An die arme kleine Schwester gedacht;
Und als sie das Zimmer erreichten im Lauf,
Da richtet das Kind sich zum ersten Mal auf
Und mit dem Händchen nach oben weist:
»Lieb Mutter war bei mir und hat mich gespeist –
»Lieb Mutter läßt die Schwestern grüßen!« –
Drauf thät sie auf ewig die Augen schließen.

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