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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 160
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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modified20170915
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Simson's Rache an den Philistern

Begraben war Simson in ewiger Nacht,
    Des Auges Stern ihm entwandt,
Da ihn Delila, eh' er erwacht,
    Der Locken beraubt mit treuloser Hand.
Kein Philister könnt' ohne Schrecken ihn sehen, –
Jetzt mußt' er die Mühl' im Gefängnisse drehen.

Denn mit den Locken war ihm entflohn
    Jehovah's Stärke und Kraft,
Mit ihr nur sprach er den Feinden Hohn,
    Jetzt war ihm die Stärke der Arme erschlafft.
Da wachsen ihm endlich die Locken wieder –,
Es senkt sich Jehovah's Geist auf ihn nieder.

Doch klug verbarg er die wachsende Macht,
    Die er im Innern empfand.
Er trug's, wenn man den Blinden verlacht
    Und ihn beschimpfet mit frevelnder Hand.
Man fürchtet nicht länger den grimmigen Helden!
Der dachte heimlich auf Rach' und Vergelten.

Da feiern die stolzen Philister mit Wein
    Und Gesang ein jährliches Fest;
Sie schwingen sich schnell im wilden Reihn,
    Und gierig mit Saft, aus der Traube gepreßt,
Sie alle die durstenden Kehlen benetzen,
Zu Ehren des Dagon, des furchtbaren Götzen.

Da sprach man zum Knecht, der zum Hüter bestallt
    Bei Simson: Eile, Gesell!
Und bringe den Simson her mit Gewalt,
    Den Simson, den starken, o bring' ihn zur Stell'!
Mitspielen soll er, die Freude uns würzen,
Wir wollen mit Spott die Zeit uns verkürzen!

Sie weckten den Löwen stolz und kühn
    Aus heilsam sicherem Schlaf;
Dem Blitze konnten sie nimmer entfliehn,
    Der endlich zerschmetternd sie Alle traf.
Sie mußten jauchzend in Siegesfreuden
Mit eigner Hand den Tod sich bereiten.

Als Simson kam, da priesen sie
    Des Götzen tückische Macht.
Seht, unser Dagon verläßt uns nie,
    Hat Simsen in unsre Gewalt gebracht!
Drum singt ihm beim herrlichen Opfermahle
Und gießet ihm aus die blinkende Schale!

Der tödtete der Philister viel',
    Verheert' uns unsere Flur;
Denn Tausend zu schlagen, das war ihm ein Spiel,
    Ein Gott überwand den Mächtigen nur.
So rühmten sie sich mit freudigen Sinnen.
Da nahten sich furchtbar der Rache Erinnen.

Und Simson spricht zum Knab', der ihn führt,
    O, reiche den Arm mir dar,
Daß meine tastende Hand berührt
    Das ewig stehende Säulenpaar,
Ich will mich ermüdet daran lehnen,
Die matten Glieder zur Ruhe sich sehnen.

Das Haus, es war mit den Fürsten besetzt,
    Viel' Andre schauten vom Dach,
Sie hatten sich Alle mit Spotten ergetzt,
    Als Simson zum Knaben also sprach;
Der führet ihn an des Hauses Säulen;
Nun durfte die Rache nicht länger verweilen.

Und Simson rief dann also zum Herrn:
    Jehovah, gedenke mein!
Verdopple in mir der Stärke Kern,
    Lass' mich noch einmal geheiligt Dir sein
Und lass' mich des Tempels Stützen zerbrechen,
Verderbend sie Alle, mich fürchterlich rächen!

Und als er die Worte zum Himmel gesandt,
    So streckt er die Arme aus.
Umfaßt die Säulen mit mächtiger Hand
    Und neigt sich kraftvoll und stürzt das Haus.
Das schlägt die Philister und ihn darnieder,
Und ihn begruben die trauernden Brüder.

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