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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 155
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150218
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modified20170915
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Der geplagte Bräutigam

Im ganzen Dorfe geht's Gerücht,
    Daß ich um Greten freie;
Sie aber läßt das Tändeln nicht,
    Die Falsche, Ungetreue! –
Denn Nachbar Kunzens langer Hans
Führt alle Sonntag' sie zum Tanz
    Und kommt mir ins Gehege –
        – Man überlege! –

Auf künft'ge Ostern wird's ein Jahr,
    Da faßt' ich mich in Kürze –
Und kaufte ihr (das Ding war rar)
    Ein Band zur neuen Schürze;
Und an dem zweiten Feiertag,
Just mit dem neunten Glockenschlag,
    Bracht' ich ihr mein Geschenke –
        – Man denke! –

Ich hatte nämlich räsonnirt
    Den Tag vorher beim Biere:
Wenn ich sie mit dem Band geziert
    Zum Abendtanze führe,
So sag' ich Alles lang und breit
Und breche die Gelegenheit
    Im Fall der Noth vom Zaune –
        – Man staune! –

Drauf hatt' ich mich schön angethan,
    Als ging's zum Hochzeitfeste!
Ich zog die neuen Stiefeln an
    Und meines Vaters Weste;
Doch als ich kam vor Gretens Haus,
War auch der Vogel schon hinaus
    Mit Hansen in die Schenke, –
        – Man denke! –

Das faßte mich wie Feuerbrand,
    Der Zunder mußte fangen;
Da kam, um seinen Hut mein Band,
    Der Musjö Hans gegangen;
Nun sprüht' ich erst in voller Wuth,
Er wurde grob, und – kurz und gut,
    Ich kriegte derbe Schläge; –
        – Man überlege! –

Den Tag darauf an Gretchen's Thür
    Lauscht' ich als Ehrenwächter.
Da schallte aus dem Garten mir
    Ein gellendes Gelächter.
Und als ich habe hingeschaut,
Da sah denn meine schöne Braut
    Mit Hansen hinterm Zaune, –
        – Man staune! –

Das fuhr mir arg durch meinen Sinn,
    Das Wort blieb in der Kehle;
Des andern Morgens ging ich hin
    Und hielt ihr's vor die Seele;
Und sagt' ihr's endlich grad heraus:
»Hör', Grete, mach' mir's nicht zu kraus,
    »Sonst geh' ich meiner Wege!«
        – Man überlege! –

Da lachte sie mir ins Gesicht
    Und kehrte mir den Rücken.
Ja, wenn der Hans den Hals nicht bricht,
    So reiß' ich ihn in Stücken! –
Sonst bringt sie es gewiß so weit,
Daß ich mich noch bei guter Zeit
    Im nächsten Teich ertränke! –
        – Man denke! –

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