Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Theodor Körner >

Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 133
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150218
projectidb7b1768e
modified20170915
Schließen

Navigation:

Friedrich's Todtenlandschaft

Die landschaftlichen Darstellungen des Malers Friedrich, welcher 1840 in Dresden starb, wurden ihrer poetischen Empfindung wegen sehr geschätzt. (Vrgl. Goethe's Annalen, Jahrg. 1808.)

1.

Die Erde schweigt mit tiefem, tiefem Trauern,
    Vom leisen Geisterhauch der Nacht umflüstert;
    Horch, wie der Sturm in alten Eichen knistert
    Und heulend braust durch die verfallnen Mauern!

Auf Gräbern liegt, als wollt' er ewig dauern,
    Ein tiefer Schnee, der Erde still verschwistert,
    Und finstrer Nebel, der die Nacht umdüstert,
    Umarmt die Welt mit kalten Todesschauern.

Es blickt der Silbermond in bleichem Zittern
    Mit stiller Wehmuth durch die öden Fenster:
    Auch seiner Strahlen sanftes Licht verglüht! –

Und leis und langsam nach des Kirchthors Gittern,
    Still wie das Wandern nächtlicher Gespenster,
    Ein Leichenzug mit Geisterschritten zieht.

2.

Und plötzlich hör' ich süße Harmonien,
    Wie Gottes Wort, in Töne ausgegossen,
    Und Licht, als wie dem Kruzifix entsprossen,
    Und meines Sternes Schimmer seh' ich glühen;

Da wird mir's klar in jenen Melodien:
    Der Quell der Gnade ist in Tod geflossen,
    Und Jene sind der Seligkeit Genossen,
    Die durch das Grab zum ew'gen Lichte ziehen. –

So mögen wir das Werk des Künstlers schauen;
    Ihn führte herrlich zu dem schönsten Ziele
    Der holden Musen süße, heil'ge Gunst.

Hier darf ich kühn dem eignen Herzen trauen;
    Nicht kalt bewundern soll ich, – nein, ich fühle,
    Und im Gefühl vollendet sich die Kunst.

 << Kapitel 132  Kapitel 134 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.