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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 119
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150218
projectidb7b1768e
modified20170915
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21. Rundgesang auf dem Belvedere

So sitzen wir traulich im bunten Kreis,
    In der Lüfte freundlichem Wehen,
Wir treten heraus aus dem engen Gleis,
    Wir wohnen in sonnigen Höhen,
In der Freude lichtem, lebendigem Strahl,
Hoch über den Menschen und ihrer Qual.

Wohin das Auge hier oben blickt,
    Hat's Frieden und Freuden gefunden;
Denn was im Herzen uns engt und drückt,
    Das bleibt im Thale dort unten.
Nicht neben den Zauber der blühenden Welt
Sei des Lebens Qual und Sorge gestellt!

Nein, blickt hinunter und schaut hinauf
    Und weit in die Ferne dort drüben!
Da thürmen des Vaterlands Berge sich auf,
    Da ist der Kreis unsrer Lieben.
Vielleicht, daß sie jetzt der Entfernten gedacht,
Daß der Wind ihre freundlichen Grüße gebracht.

Wol blüht uns hier ein freundliches Glück,
    Wir kennen nicht Last und Beschwerde;
Doch wir denken auch gern an die Heimath zurück,
    An die liebe, geheiligte Erde;
Im Kreis der Lieben, im Vaterland,
Da ist auch das Leblose uns verwandt.

Doch, sind wir auch hier im Lande fremd,
    Wir sind uns nicht fremd im Herzen.
Das Glück ergriffen, so wie es kömmt,
    Sonst wird man es ewig verscherzen!
Und wenn die Freude scheiden will,
Da folge man kühn und bleibe nicht still!

Drum wie uns der Himmel zusammengebracht,
    So sitzen wir fröhlich zusammen;
Der Gott, der die Freude uns angefacht,
    Erhält ihre heiligen Flammen.
Und müssen wir scheiden, und wandern wir weit,
Wir gedenken mit Liebe der herrlichen Zeit.

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