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Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 11
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150218
projectidb7b1768e
modified20170915
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Sängers Morgenlied

Süßes Licht! aus goldnen Pforten
    Brichst Du siegend durch die Nacht.
    Schöner Tag! Du bist erwacht.
Mit geheimnißvollen Worten
In melodischen Akkorden
    Grüß' ich Deine Rosenpracht!

Ach, der Liebe sanftes Wehen
    Schwellt mir das bewegte Herz
    Sanft wie ein geliebter Schmerz.
Dürft' ich nur in goldnen Höhen
Mich im Morgenduft ergehen!
    Sehnsucht zieht mich himmelwärts.

Und der Seele kühnes Streben
    Trägt im stolzen Riesenlauf
    Durch die Wolken mich hinauf. –
Doch mit sanftem Geisterbeben
Dringt das Lied ins innre Leben,
    Löst den Sturm melodisch auf.

Vor den Augen wird es helle;
    Freundlich auf der zarten Spur
    Weht der Einklang der Natur,
Und begeistert rauscht die Quelle,
Munter tanzt die flücht'ge Welle
    Durch des Morgens stille Flur.

Und von süßer Lust durchdrungen
    Webt sich zarte Harmonie
    Durch des Lebens Poesie.
Was die Seele tief durchklungen,
Was berauscht der Mund gesungen,
    Glüht in hoher Melodie.

Des Gesanges muntern Söhnen
    Weicht im Leben jeder Schmerz,
    Und nur Liebe schwellt ihr Herz.
In des Liedes heil'gen Tönen
Und im Morgenglanz des Schönen
    Fliegt die Seele himmelwärts.

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