Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Theodor Körner >

Gedichte

Theodor Körner: Gedichte - Kapitel 109
Quellenangabe
typepoem
authorTheodor Körner
titleGedichte
publisherGustav Hempel
seriesTheodor Körner's Werke. Vollständigste Ausgabe mit mehreren bisher ungedruckten Gedichten und Briefen
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20150218
projectidb7b1768e
modified20170915
Schließen

Navigation:

11. Das Töpel-Thal

Mit der Freude lichten Träumen
    Saßen wir im muntern Kranz,
Auf den Wellen, auf den Bäumen
    Lag des Tages milder Glanz.

Wie ein freudiges Getümmel,
    War ein Glühen überall:
Dort im Abendroth der Himmel,
    Hier im Weine der Pokal.

Wie ein schön erfülltes Hoffen
    Mahnte uns die schöne Zeit,
Lieb' und Leben war uns offen,
    Alle Herzen wurden weit.

Von der nahen düstern Hütte
    Hörten wir des Hammers Schlag;
Aus des Ofens Feuermitte
    Flammte der gezwungne Tag. –

Und so neben unsre Freude
    War des Lebens Qual gestellt;
Zwang und Sorge im Gebäude,
    Freiheit unterm Himmelszelt.

Und wir hörten laut und lauter
    Ihre Worte in der Brust,
Und es schloß sich immer trauter
    Unsers Kreises stille Lust.

Da verschwand auf Waldeshöhen
    Tagesleuchten mehr und mehr,
Und es ging der Dämmrung Wehen
    Um das stille Dörfchen her.

Und der Berge lange Schatten
    Lagen dunkel überm Thal,
Und es schwirrten auf den Matten
    Feuerkäfer ohne Zahl.

Fern aus mancher stillen Klause
    Blickte freundlich schon das Licht,
Das gemahnte uns nach Hause,
    Und wir weilten länger nicht.

Auf dem schön gezognen Wege
    Kehrten wir durchs Thal zurück.
Und des Herzens Doppelschläge
    Riefen dem gewesnen Glück.

Da, durch dunkle Tannenbäume,
    Stieg der volle Mond herauf,
Und im schönsten aller Träume
    Ging das volle Herz mir auf.

Denn der freundlichste der Sterne
    Blickte mich so selig an,
Wie ein Liebchen in der Ferne
    Mir's in schöner Zeit gethan.

All sein Weben, all sein Leuchten
    Schien mir wunderbar vertraut –
Und mir war's, als hätt' mit feuchten
    Augen er mich angeschaut.

Was noch tief im Herzen ruhte,
    Fühlt' ich plötzlich stark und reich,
Und mir war so still zu Muthe,
    Doch so wunderfroh zugleich.

Und er leuchtete mit hellen
    Strahlen in das Thal hinein,
Und es blickte auf den Wellen
    Silberweiß der Wiederschein.

Einen Führer hätt' ich gerne
    Auf dem langen Weg gesehn! –
Sollt' ich wandern mit dem Sterne
    Oder mit den Wellen gehn? –

Doch zu schnell ziehn mir die Wellen
    Den gewohnten krummen Lauf,
Jenen steigt des Himmels Schwellen
    Nur zu langsam mir herauf.

Da, zum Glück, fällt in die Wogen
    Mir das Bild des Mondes ein,
Und ich bin ihm nachgezogen,
    War's auch nur ein Wiederschein.

 << Kapitel 108  Kapitel 110 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.