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Otto Erich Hartleben: Gedichte - Kapitel 72
Quellenangabe
typepoem
booktitleAusgewählte Werke Band 1
authorOtto Erich Hartleben
year1911
publisherS. Fischer Verlag
addressBerlin
titleGedichte
pages222
created20120130
sendergerd.bouillon@t-online.de
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VII

        Daß deine Brüste hocherbaulich sind,
hat auch der Theologe tief empfunden
und will dich nun in keuscher Liebe retten.
Du gutes Kind! Welch Seelenzwist für dich!
Ich kenne das, auch ich war einmal fromm
und hab ein schönes Mädchen retten wollen.
Du armes Kind! Heut bin ich lasterhaft,
und mich entzückt dein junger, weißer Leib
weit mehr, als deine Tugend je vermöchte.
So geh zu ihm und laß dich retten! – Nein?
Mich hast du lieb, der dich nicht anders will,
als dich die gütige Natur geschaffen? Wie?
– O Kind: du bist so lasterhaft, wie ich!
In sündigen Gluten schlingst du deine Arme
um mich, dein Mündchen spottet zügellos
des reinen Jünglings, der dich retten möchte –
dem deine Brüste hocherbaulich sind.
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