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Otto Erich Hartleben: Gedichte - Kapitel 32
Quellenangabe
typepoem
booktitleAusgewählte Werke Band 1
authorOtto Erich Hartleben
year1911
publisherS. Fischer Verlag
addressBerlin
titleGedichte
pages222
created20120130
sendergerd.bouillon@t-online.de
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          Als Knabe hab ich dich geliebt
und du, ein süßes Kind, auch mich:
wenn es auf Erden Reines gibt,
traf da die Gnade mich und dich.

Da schon ich heiße Lieder sang,
in mich verscheucht, fremd in der Welt,
noch stets in meinem Herzen klang
Erinnrung, phantasiegeschwellt. –

Seitdem hatt ich den Ton verlernt,
bei dem die Seele einst gebebt:
ich war dir nah und doch entfernt,
ich habe ohne dich gelebt.

Doch heut, heut sah ich dich im Traum
und küßte wieder deinen Mund.
Zwar, dich zu fühlen, wagt ich kaum,
und fühlte doch der Brüste Rund.

Das weiche, warme Braun des Haars,
der braunen Augen blitzender Schein,
das spöttische Kindeslachen wars . . .
Und – bin erwacht und – bin allein.

 


 

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