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Otto Erich Hartleben: Gedichte - Kapitel 2
Quellenangabe
typepoem
booktitleAusgewählte Werke Band 1
authorOtto Erich Hartleben
year1911
publisherS. Fischer Verlag
addressBerlin
titleGedichte
pages222
created20120130
sendergerd.bouillon@t-online.de
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        Dir, der Wahrheit, gelte des ernsten Sängers
erster Laut! Dir ficht er des Geistes Kämpfe,
deiner Krone blitzender Strahl erhob und
    bannt seinen Blick nun!

Opferdampf stieg von der befleckten Erde
wahrlich niemals herrlicher auf zum Himmel,
denn, da dein Wort Märtyrerblut besiegelt,
    heilige Wahrheit,

da der Pfaff sich, Pfaffe zugleich und Henker,
an der Glutqual denkender Menschen letzte,
da im Rauch sein Blick und des Ketzers Blick wie
    Dolche sich kreuzten! –

Jene Glut, entglommen dem Schoß des Dunkels,
überwand siegreich den Bezirk der Scheite,
als des Dunkels Feind, und der Strom der Zeiten
    wird sie nicht löschen!

Nein! Sie glüht! Und wärs in den fernsten Tagen,
Asche wird die finstere Tempelhalle,
drin, geknechtet, seufzet der Geist der Menschheit!
    Hegend und reifend

eine Saat, die spätere Enkel ernten,
faßt sie Herzen, die sie entflammt zum Trotze:
ihre Macht verkündigend, hat sie meine
    Lieder befeuert.

 


 

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