Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Emil Gött >

Gedichte

Emil Gött: Gedichte - Kapitel 2
Quellenangabe
typepoem
booktitleGesammelte Werke Band 1
authorEmil Gött
year1911
editorRoman Woerner
publisherC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
addressMünchen
titleGedichte
pages38
created20120213
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

I.

        Das Beste, was ich habe,
Ist meine Liebe zu dir,
Und dieses Beste – sieh her!
Fühle her! –
Mit deinen Händen beiden in der Wunde,
Die es breit in die Seite mir reißt,
Opfr' ich den ewigen Göttern.
Opfr' ich – wem?
Empfängt es einer
In den Tiefen der Welt?
Nickt mir segnend ein Haupt?
Entbrennt ein Aug,
Seinen Tränen wehrend,
In Liebe zu mir?
Nein – dem leisen,
Doch unausweichlichen
Druck des Gesetzes in mir
Dampft es.
Ich bin das Opfer,
Ich führe das Messer,
Und ich –
Empfange.

 


 

        O süße Angst,
Die dich um mich verklärt,
Weil du dich bangst,
Daß mich die Glut verzehrt;
Die Glut für dich
Und für die große Welt,
Die pfeilrecht mich
Nach oben hebt und tödlich innen schwellt.

 


 

        Sie sitzen stumm zusammen,
Aber sie schweigen laut;
Die Hände ruhen im Schoße,
Und doch wird viel gebaut;
Im Herzen knistern die Flammen,
Die Augen tun stolz und kühl,
Und all das verhaltene Kosen
Trinkt der einsame Pfühl.

 


 

Mein Lied

        Es flammte nicht dir, Leontine,
Da es der zitternden Seele sich entrang,
Doch es flammte auf, da es dich berührte,
Als tränke es die Luft seiner Heimat.

Nimm es hin und verwahr's,
Und, fängt es die Dunkle nicht auf,
Behalt es, du Helle!

Ich hatte eine Brücke betreten,
Die mich hinüberleiten sollte an einen Strand,
Den die witternde Seele sehnsüchtig nmflog.
Und ich hielt ergriffen inne auf ihr,
Als sei ich – drüben.

Was nun noch?
Wohin wirst du mich leiten,
Wo halten lassen,
Leontine?

 


 

        Liebtest du mich, so wie ich dich,
Es müßte dich verzehren,
Nur eine Esse, so stark wie ich,
Darf solch ein Feuer nähren.

Liebtest du mich, so wie ich dich,
Du müßtest drum verzagen,
Denn nur ein Sturmwind, so wild wie ich,
Kann über den Abgrund tragen.

Liebtest du mich, so wie ich dich,
Es müßte dich verderben,
Denn nur ein Strom, so rot wie ich,
Kann dich unschuldig färben.

Liebtest du mich, so wie ich dich,
Du müßtest unselig werden,
Denn nur ein Teufel, so heiß wie ich,
Trägt solch ein Glück auf Erden!

 


 

        Warum so wenig Vertrauen,
Sag, Mädchen, wieder in dich,
Warum so schwächlich bauen
Auf ein Fundament wie ich?

Warum dies alte Zagen?
Was wird dein Herz gleich matt
Und zählt die Zeit nach Tagen,
Wenn man sich ewig hat!

Du brauchst nicht ängstlich suchen,
Ob etwas mich bedrückt,
Ich will schon klagen und fluchen,
Wie's grade in mir zückt.

Und laß dich nicht verdrießen,
Wenn's mal ein bißel still,
Es wird schon wieder fließen,
Wenn's wieder fließen will!

 


 

        Noch keine Bank, auf der ich je gerastet,
Vergaß ich je,
Und keine Hand, die lieb nach mir getastet,
Vergaß ich je!
Der wache Traum führt oft sie mir zurück –
Ich ruhe wieder – glühe wieder – ach, im Glück!

 


 

        Du, sag, ist das ein Schweigen noch zu nennen,
Wenn Zweie sich nichts mehr zu sagen brauchen,
Weil sie sich kennen,
Und ihre Seelen leise sich umhauchen,
Auch wenn sie Berg' und tiefe Wasser trennen?

 


 

        Einmal ließ ich gern mich von dir grüßen,
Einmal säß' ich gern zu deinen Füßen,
Sähe deiner Züge feines Leben,
Hörte deiner Stimme Fall und Beben,
Deine Seele wollt ich so belauschen
Und dein Leben müßte vor mir rauschen.
Lang schon gehen wir uns stumm vorüber –
Kühl verschleiert streift dein Blick herüber.

 


 

        Hängen die Wolken schwer
Um den Horizont,
Und wird's dunkel rings umher –
Ein Fleckchen bleibt mir besonnt.
Es ist ein Auge, das auf mich blickt,
Voll Liebe lächelnd mir Mut zunickt – –
Was will ich mehr.

 


 

        Und wenn der Mensch am Nord- und Südpol steht,
Welt, Gott und Erde, alles überwand,
Schmiegt er so willig seine Souveränität,
Wie heut und je, in eine kleine, weiche, süße,
Ach unsäglich süße Hand!

 


 

        Dies Buch ist eine Wabe von tausend Zellen
Mit Blütenstaub gefüllt und Honigseim,
Eine Biene trug's zusammen aus tausend Kelchen –
Nun tauche du dein Rüsselchen hinein.

 


 

        Ich liebe das Traumbild, dem ich es sang,
Ich liebe dich, Lebende, die es empfängt,
Ich liebe die Botin, die es dir bringt,
Und fast auch mich ein wenig –
Bin ich unersättlich nicht?

 


 

        Im Wäldeli drobe
E Brünneli springt,
Do hock i als z'Obe,
Wenn d'Schwarzamsle singt.

Hör's röhrle, sieh's blinke
Un freu mi dabei:
Us'm Trögli kammer trinke,
So blitzblank isch der Stei.

Un langsam wird's dunkel
Un schlöferig un still,
Nur 's Brünnli, das funklet
Un glutteret so hell.

De Kopf lossi henke,
Nit traurig, nei froh;
Ane Maidli mueßi denke,
Des isch go grad eso!

Im Dunkle tuet's funkle
Un kitteret so hell – –
Us'in Trögli tät i's trinke –
O je! – jo jo! – sell!
Sell Brünneli, sell!

 


 

        Schwarzamselchen im Dornenhag
    Verlern mir nicht das Singen,
An manchem rauhen Wettertag
    Sollst du mir lieblich klingen.

Verwein nur deine Äuglein nicht,
    Lösch, Liebchen, nicht ihr Glänzen,
Bis einst mein eignes Auge bricht,
    Sollst ihm dein Licht kredenzen.

Und Herzchen süß, verblut mir nicht,
    Eh ich hinaus getragen.
Es ist ja mein, – spürst du dich nicht
    In meinem Busen schlagen?

Die Welt zerfall, ich schenk sie ihr,
    Und werf sie zu den Hadern!
Du aber sing und glänze mir
    Und puls in meinen Adern!

 


 

        Noch ist er, wie der junge Alpenstrom,
Der Wildfang, kaum der Gletscherbrust entwöhnt,
Der schäumend seine trüben Wasser wälzt –
Er wird sein tiefes, stilles Becken finden,
Wo er sie klärt und – – –

 


 

        Kann ich ewige Treue halten,
Wo nicht ewige Kräfte walten?
Eid oder ich – einer muß brechen!
Nur unendlichem Entsprechen
Kann ich ewige Treue halten,
Nur unendlichem Entsprechen
Auch den Leib zulieb zerbrechen.

 


 

        Ihr giert nach Herrschaft, und ihr nennt es Liebe!
Schlecht sah ich stets den Liebenden behandelt –
Und das mit Recht: er ist ja der Besiegte!
So beugen wir zum Schutz galant das Knie,
Die heißen Augen ehren euch als Herrin,
Von Demut und Verehrung trieft die Lippe –
Wir spielen Sklaven, um es nicht zu sein.

 


 

        Geh mir, ich trag kein Herz in dieser Brust!
Weh dir, die du mich liebst, weh dir!
Ein stählernes Geflecht, fein und geschmeidig,
Grausam und treulos! Nach jedem Schwur meineidig
Und treu – nur mir!
Geh mir, ich trag kein Herz in dieser Brust!

 


 

        »Glück ist – ein Mann zu sein!« »Warum?« »Warum?
Weil er kein Glück braucht, keines brauchen kann!
Wir Frauen aber leben nur vom Glück.« –

»Glück ist, ein – Mensch zu sein! – der braucht kein Glück!
Ob Mann ob Weib, glaub mir, er braucht kein Glück.
Es ist ein Glück; – nur wer es braucht, dem fehlt's!«

 


 

        Der Held holt aus zu seinem Schwabenstreich,
Du hörst ein Sausen, siehst ein kurzes Blinken,
Du schließt die Augen, denn du bist so weich,
Und siehst nicht gern die halben Leichen sinken.

Lach auf, mein Freund, umsonst wardst du so bleich,
Die durstige Erde braucht kein Blut zu trinken:
Zwei neue, ganze, schöne, liebe Leben
Sich lächelnd statt des alten Feinds erheben!

 


 

        In deine Liebe dräng ich mich,
O Weib!
In meine Arme reiß ich dich
Mit Seel und Leib!

Ich raube dich in meine Welt,
O Weib!
Und ob die alte drob zerschellt,
Ich lach: zerstäub!

Auch in meiner eine Sonne flammt,
O Weib!
Und einer höhern Glut entstammt
Ihr Flammenleib.

Da ist die Sünde gar drin verbrannt,
O Weib!
Die ihr als heißeste gebannt. –
Komm – flieh nicht, bleib!

 


 

        Ich höre den stummen Schrei,
Der von der Lippe dir brach,
Dumpf, wie fallend Blei,
Hallt er in mir nach.

Wie helf ich dir?
Sag es mir. –
O könnt ich bei dir sein,
Mit meinem Trost dich zu stärken,
Wie ein frierend Vöglein
An der Brust dich bergen.
Es fehlen die Schwingen,
Mich dir zu bringen.
Aber weißt du was, trag hinaus dein Trauern,
Hinaus aus den winterlich dumpfen Mauern,
Wo du von Menschen umgeben bist.
Heraus, hinaus, eh die Qual dich frißt,
Wo die Welt am menschenfernsten ist!
Wo das Tier nur schweift und nichts dich kennt,
Und keine Seele sich verbrennt,
Wo kaum der Sonne zweischneidig Licht
Durch die dunkele Wölbung bricht:
In der Tiefe des Walds, im Geklüft der Felsen,
Da wirf dich hin, da klammre dich fest,
Da löse die Fessel, um's hinauszuschrein,
So laut, als es sich schreien läßt –
So wirst du des Daseins schweren Stein
Für einen Augenblick von dir wälzen.

Und dann, wenn der Sturm vertost,
Denk still an den großen Trost:
Wenn es ausgeschlagen,
Das zerbrechliche Herz,
Ist auch ausgetragen
Ein jeder Schmerz.
Wir leben nicht ewig dies Leben:
Mit dem letzten Tod – ist's uns vergeben.

 


 

 << Kapitel 1  Kapitel 3 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.