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Gedichte

Henrik Ibsen: Gedichte - Kapitel 2
Quellenangabe
typepoem
authorHenrik Ibsen
booktitleGedichte
titleGedichte
publisherS. Fischer Verlag
seriesHendrik Ibsen sämtliche Werke - Volksausgabe in fünf Bänden
volumeBand 1
editorJulius Elias, Paul Schlenther
year1907
translatorEmma Klingenfeld, Max Bamberger, Christian Morgenstern
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070807
projectid5966446a
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König Håkons Festhalle

Du alte Halle, ihr Mauern grau,
Der Eule Wohnsitz und Weide, –
Gedenken muß ich, so oft ich dich schau',
König Lears auf der wilden Heide.

Er gab seinen Töchtern der Krone Schatz,
Gab ihnen sein teuerstes Eigen;
Da stießen sie ihn von seinem Platz
Hinaus in der Sturmwinde Reigen.

Du Halle, gebeugt von so manchem Jahr,
Wie Gleiches du dulden mußtest! –
Du gabst einem Nachgeschlecht, undankbar,
Den teuersten Schatz, den du wußtest.

Du gabst uns schimmernder Sagen Hort,
Einen Herbst von Erinnerungen.
Doch hat dir ein einziges Dankeswort
Aus Kindesmunde geklungen?

Verlassen standst du, gleich Albions Sohn,
Blind wütender Winde Minne;
Ein halb tausend Jahre umpfiff voll Hohn
Der Sturm deine grauende Zinne. –

Jetzt tagt es, Greisin; dein Volk ist erwacht
Und kühlt an der Zeit nun sein Mütlein:
Wir flicken dir neu deine Königstracht;
Du hast schon ein Narrenhütlein.

Und darum, du Halle mit Mauern, grau,
Der Eule Wohnsitz und Weide, –
Gedenken muß ich, so oft ich dich schau',
König Lears auf der wilden Heide.

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