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Gedichte

Henrik Ibsen: Gedichte - Kapitel 13
Quellenangabe
typepoem
authorHenrik Ibsen
booktitleGedichte
titleGedichte
publisherS. Fischer Verlag
seriesHendrik Ibsen sämtliche Werke - Volksausgabe in fünf Bänden
volumeBand 1
editorJulius Elias, Paul Schlenther
year1907
translatorEmma Klingenfeld, Max Bamberger, Christian Morgenstern
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070807
projectid5966446a
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Lied des Dichters

(Aus der »Komödie der Liebe«)

Freunde, die ihr diesen Garten
Jubelnd und entzückt durchstreift,
Wollet nicht vom Herbst erwarten,
Daß er jede Knospe reift!
Weiße Blüten, lichte Blätter
Breiten über euch ihr Zelt, –
Mag sie morgen Schlossenwetter
Fegen bis ans End' der Welt!

Müßt ihr schon nach Früchten fragen
Im noch kaum erblühten Hag?
Sorgend, seufzend überschlagen,
Was sein Herbst euch bringen mag?
Müssen Vogelklappern schrecken
Tag und Nacht die muntre Brut?
Finkenschlag in Baum und Hecken,
Brüder, gibt doch bessern Mut!

Müßt das Völklein nicht verfemen
Aus der süßen, grünen Pracht!
Mag es seinen Lohn sich nehmen,
Ob es euch auch ärmer macht.
Nehmt den Tausch an! Seid nicht bänglich;
Denn für Frucht wird euch Gesang!
Denkt dran: »Alles ist vergänglich«;
Lenz und Liebe währt nicht lang!

Leben will ich, will genießen,
Bis der letzte Strauch verdorrt;
Wenig soll's mein Herz verdrießen,
Fegt ihr all den Staat dann fort.
Tor auf! Schaffe sich die Herde
Dann noch einen satten Tag!
Brach nur ich die Blüten, werde
Mit dem toten Rest, was mag!

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