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Gedichte

Henrik Ibsen: Gedichte - Kapitel 12
Quellenangabe
typepoem
authorHenrik Ibsen
booktitleGedichte
titleGedichte
publisherS. Fischer Verlag
seriesHendrik Ibsen sämtliche Werke - Volksausgabe in fünf Bänden
volumeBand 1
editorJulius Elias, Paul Schlenther
year1907
translatorEmma Klingenfeld, Max Bamberger, Christian Morgenstern
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070807
projectid5966446a
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Lichtscheu

Als ich ein kleiner Wicht noch,
War Mut in mir genug, –
Das heißt, solange Licht noch
Den Mantel um mich schlug.

Doch kam die Nacht und deckte
Gebirg und Feld und Baum, –
Was da mich alles schreckte
Von bösem Spuk und Traum!

Ich schloß mein Aug' – und träumte
Schon auch zur selben Zeit, –
Und all mein Mut, er räumte
Das Feld, Gott weiß wie weit.

Jetzt finden einen andern
In mir so Nacht wie Welt;
Jetzt geht mein Mut aufs Wandern,
Sobald es sich erhellt.

Jetzt sind's des Tages Trolle,
Des Lebens Lärm ist's jetzt,
Was mir die Brust, die volle,
Mit kaltem Schauder netzt.

Ich steck' mich unter die Decke,
Die spukdurchwirkte, der Nacht,
Da kommt's, daß, wie ein Recke,
Mein alter Mut erwacht.

Da trotz' ich Meer und Blitzen,
Komm' wie ein Falk gejagt,
Laß Angst und Jammer sitzen, –
Bis es von neuem tagt.

Doch fehlt mir der Schutz ihres Schoßes,
Weiß ich mir keinen Rat.
Ja, tu' ich einmal etwas Großes,
So wird's eine dunkle Tat.

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