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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 99
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Fünfundzwanzigstes Kapitel

Wie der Arzt Rundibilis ein Mittel wider Hahnreischaft gibt

»Zu der Zeit«, sprach Rundibilis, »als Jupiter seinen olympischen Hofhalt und Staatskalender aller Götter und Göttinnen machte, einem jeden Tag und Jahreszeit seines Festes anberaumte und die Orakel- und Wallfahrtsörter austeilte –« »Machte er's etwa«, fiel Panurg ihm in die Rede, »wie der Bischof Tinteville von Auxerre? Der edle Prälat hielt große Stücke auf guten Wein, wie jeder Ehrenmann drauf hält und halten muß. Daher trug er auch besondere Liebe und Sorgfalt für den Rebenstock. Nun aber sah er manch liebes Jahr die Weinblüte elend zerstört durch Nachtfröste, Reif, Schnee, Eis, Hagel und scharfen Wind um die Zeit der Fest Sankt Görgen, Marci, Vitalis, Eutropii, Philippi, Kreuzfindung, Himmelfahrt und andere, die um die Zeit fallen, wann die Sonne in das Zeichen des Stiers tritt. Daraus schloß er, diese Heiligen wären nur Schnee- und Hagelheilige und Verderber der Rebenblüte. Derhalb wollte er ihre Feste in den Winter verlegen zwischen Weihnacht und Dreikönigstag: da stellte er ihnen bescheidentlich und alleruntertänigst frei, zu schneien und zu hageln, so lang sie wollten, weil da der Schnee den Blüten nicht schädlich, sondern vielmehr im Gegenteil gedeihlich und ersprießlich sei.«

»– Da vergaß«, fuhr Rundibilis weiter fort, »Jupiter die arme Teufelin Hahnreischaft, die zu der Zeit verschwunden war; denn sie war eben auf dem Rathaus zu Paris, wo sie einen Hurenprozeß für einen ihrer Lehensleute betrieb. Bald darauf erfuhr Hahnreischaft, was man ihr für einen Streich gespielt hatte, ließ ihre Sache fahren, aus Sorge, ihres Hofamts verlustig zu gehen, und erschien vor dem großen Jupiter in Person; sie berief sich auf ihre Verdienste und bat inständig, sie nicht ohne Fest, ohn Opfer und Ehrenbezeigung zu lassen.

Weil nun im ganzen Kalender kein Platz mehr frei war, legte Jupiter ihr Fest auf den Tag der Göttin Eifersucht. Ihre Herrschaft erstreckte sich über die Ehemänner, besonders über die, die schöne Weiber hatten, und ihre Opfer waren: Argwohn, Mißtraun, Griesgram, Bewachen, Spionieren, Belauern der Weiber durch die Männer, nebst strengem Befehl an jeden Mann, ihr Dienst und Ehrfurcht zu erweisen, ihr Fest gedoppelt zu begehn und ihr die genannten Opfer zu bringen bei Straf und Drohung, daß Hahnreischaft all denen, die sie nicht nach der Vorschrift ehren würden, auch nicht hilfreich, günstig oder gewärtig sein werde, nach ihnen nicht fragen, nie in ihr Haus gehn, nimmer Umgang mit ihnen pflegen werde, sondern sie mit ihren Weibern ganz allein ohn Nebenbuhler auf alle Zeiten versauern lassen und sie als Ketzer und Gottesleugner ewiglich fliehen werde. Hingegen gelobte sie heilig, daß sie denen, die ihren Feiertag heiligen, Handel und Wandel einstellen, nichts andres tun würden, als ihre Weiber mit Eifersucht quälen, einsperren und belauern, wie es der Opferbrauch von ihnen erheischte, allzeit hold sein, sie lieben, besuchen, bei Tag und Nacht ihr Haus bewohnen und zu keiner Zeit ihr Antlitz ihnen entziehen wolle. Dixi.«

»Ha, ha, ha«, sprach Karpalim lachend, »das ist noch ein kurioseres Mittel als Carvels Ring. Der Teufel hol mich, wenn das nicht wahr ist. Der Weiber Art ist einmal so, daß sie ihres Geistes Kraft, Verschlagenheit und Widerstand allzeit nur auf das setzen, was sie untersagt und verboten wissen.«

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