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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 98
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Vierundzwanzigstes Kapitel

Wie Rundibilis Hahnreischaft für ein natürliches Zubehör des Ehestands erklärt

»Bleibt«, fuhr Panurg fort, »nur noch ein kleiner Punkt zu erörtern: Werd ich auch nicht zum Hahnrei werden?« – »Potz Dausig!« rief Rundibilis, »was fragt Ihr mich? Ob Ihr Hahnrei sein werdet? Mein Freund, ich bin ein Ehemann, Ihr werdet mir folgen und einer werden; aber mit ehernem Griffel schreibt Euch dies Wort ins Hirn: jedweder Ehemann schwebt in Gefahr, ein Hahnrei zu werden. Die Hahnreischaft ist ein natürliches Zubehör des Ehestandes. Der Schatten folgt dem Leibe nicht natürlicher als Hahnreischaft den Eheleuten. Und wo Ihr einen die drei Worte: Er ist beweibt, aussprechen hört und ihr entgegnet: Ergo ist er entweder, war, wird oder kann ein Hahnrei sein, so werdet Ihr traun so ziemlich ins Schwarze getroffen haben.«

»Potz Hypochonder und tausend Teufel!« schrie Panurg, »was sagt Ihr mir?« – »Mein Freund!« versetzte Rundibilis, »als Hippokrates einmal verreiste, schrieb er einen Brief an seinen alten Freund Dionysius, worin er ihn bat, sein Weib zu ihren Eltern zu geleiten, sie sorgsam zu hüten und wohl Achtung zu geben, was sie mit ihrer Mutter für Wege ginge und was für Leut bei ihren Eltern zu ihr kämen. ›Nicht‹, schrieb er, ›daß ich in ihre Tugend und Sittsamkeit ein Mißtraun setze, die ich seither ganz wohl erprobt und bewährt erfunden habe, sondern nur, weil sie ein Weib ist.‹ – Da habt Ihr's gleich mit einem Wort, mein Freund.

Denn, sag' ich: Weib, so mein' ich ein so veränderliches, gebrechliches, unbeständiges, wandelbares und unvollkommenes Geschlecht, daß die Natur mir (mit Respekt und aller schuldigen Ehrfurcht zu reden) von jenem richtigen Verstand, womit sie alles sonst erschaffen hat, abgeirrt zu sein scheint, als sie das Weib erfand. Und wenn ich's auch hundert und hundertmal bedenk', komm' ich zu keinem andern Schluß, als daß sie mit Erschaffung des Weibes mehr auf des Mannes gesellige Lust und Mehrung des Geschlechtes bedacht war als auf Vollkommenheit des Weibes in sich selbst. Fürwahr, auch Plato weiß nicht, zu welcher Klasse er sie zählen soll, ob zu den vernünftigen Wesen oder zu dem blöden Vieh. Denn ihnen hat die Natur an einen geheimen, inneren Teil ihres Leibes ein Tier, ein Glied gesetzt, das der Mann nicht hat, darin sich allerhand ätzendscharfe, prickelnde und bitterkitzelnde Säfte erzeugen, durch deren Stiche (zumal dies Glied voll Nerven und lebendiger Empfindung ist) ihr ganzer Leib erschüttert wird, all ihr Sinne außer sich kommen und die Gedanken in Aufruhr geraten. Wenn die Natur ihnen nicht noch ein wenig Scham eingegeben hätte, würdet Ihr sie wie rasend den Männern nachlaufen sehen. Glaubt mir, daß das Verdienst der züchtigen Frauen nicht klein ist, die keusch und untadlig gelebt und so viel Tugend besessen haben, dies unbändige Tier in sich im Zaum der Vernunft zu erhalten. Drum wundert Euch nicht, wenn wir in steter Gefahr sind, Hahnreis zu werden, da wir doch nicht zu allen Stunden mit barer Münz zu genügender Zahlung versehen sind.«

»Ei, daß mich doch das Mäuslein beiß!« versetzte Panurg; »wißt Ihr dagegen denn gar kein Mittel in Eurer Kunst?« – »Doch, doch, mein Freund«, sprach Rundibilis, »und ein sehr gutes; ich brauch's selbst. Es steht in einem berühmten Autor schon über achtzehnhundert Jahr. Vernehmt.«

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