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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 95
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Einundzwanzigstes Kapitel

Wie Pantagruel wegen Panurgens Skrupeln einen Theologen, einen Mediziner, einen Juristen und einen Philosophen beruft

Als sie im Schloß nun angekommen, erzählten sie dem Pantagruel den ganzen Hergang ihrer Reise und zeigten ihm Großmurrnebrods Sprüchlein. Als Pantagruel es gelesen und wieder gelesen, sprach er: »Noch niemals hat mir eine Antwort so wohl gefallen. Er zeigt damit summarisch an, in Heiratssachen soll jedermann seiner eignen Gedanken Schiedsherr sein und niemand zu Rat ziehn als sich selber. Dies war auch immer meine Meinung. Allein ich weiß noch wohl, Ihr hattet im Herzen Euern Spott darüber. Greift's dann anders an. Alles, was wir sind und haben, besteht aus drei Stücken: Seele, Leib und Gut. Zur Wahrung jedes dieser drei Dinge sind heutzutag dreierlei Arten von Leuten bestellet: Die Theologen für die Seele, die Ärzte für den Leib, und die Juristen für Hab und Gut. Mein Rat ist, auf nächsten Sonntag laden wir bei uns zum Imbiß einen Theologen, einen Mediziner und einen Juristen. Mit ihnen wolln wir insgesamt von Euern Skrupeln konferieren.« – »Helf mir der und jener«, antwortete Panurg, »da werden wir eben nicht klüger werden; ich seh's schon kommen. Schau eins nur unsern verschusterten Weltlauf! Unsre Seelen befehlen wir den Theologen aufzuheben, die doch meistenteils Ketzer sind; unsre Leiber den Medizinern, die alle Arznei verabscheun und selbst nie nix brauchen, und unsre Habe den Advokaten, die untereinander niemals Prozeß zusammen führen.« – »Ihr redet wie ein Hofmann«, sprach Pantagruel, »doch ich bestreit' den ersten Satz; denn seh ich nicht die guten Theologen einig und lediglich darum bemüht, mit Wort und Schrift die Ketzereien und Irrlehren auszurotten? Den zweiten lob' ich, weil die guten Mediziner auf den gesundheiterhaltenden Teil ihres Handwerks so wohl bedacht seh, daß sie der Heilung durch Arzenei entraten können. Den dritten geb' ich zu, weil ich in der Tat die guten Anwälte mit ihren Repliken und Reden zugunsten fremden Rechts so viel beschäftigt seh, daß sie keine Zeit haben, das eigne wahrzunehmen. Darum laden wir auf nächsten Sonntag als Theologen unsern frommen Vater Hippothadäus, als Medikus unsern Meister Rundibilis, als Juristen unsern guten Freund Gänszaum. Ja, ich wär selbst der Meinung, daß wir noch als vierten Mann unsern getreuen Philosophen Stülphändsch zuziehen, zumal der wahre Philosoph auf jeden erhobenen Zweifel Bescheid gibt. Karpalim, tragt Sorg dafür, daß wir sie alle vier auf nächsten Sonntag zum Imbiß haben!«

»Ich glaub, Ihr hättet«, sprach Epistemon, »schwerlich unter der ganzen Zunft eine bessere Auswahl treffen können, nicht bloß hinsichts der hohen Gaben eines jeden in seinem Stand, sondern, was noch mehr: weil Rundibilis beweibt ist und es vorher nicht war, Hippothadäus es niemals war noch ist; Gänszaum es war und nicht mehr ist und Stülphändsch es ist und immer war.«

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