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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 93
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Neunzehntes Kapitel

Wie Bruder Jahn Panurgen lustigen Rat gibt

»Beim heiligen Rock! Panurg, mein holder Freund«, sprach Bruder Jahn, »ich rat' dir nichts, was ich nicht selbst tät, wenn ich wie du wär. Nur dies eine nimm wohl in acht: gib fein dicht und unabläßlich Feuer! Wenn du dazwischen ruhst, bist du verloren, armer Schelm, und es geht dir wie den Ammen: wenn sie die Kinder nicht fleißig stillen, bleibt ihnen die Milch aus. Ich hab's an manchen erlebt, die's nimmer konnten, wann sie wollten, weil sie's zuvor nicht exerziert hatten. Denn durch den Nichtbrauch gehn alle Privilegien verloren, so spricht der Schreiber. Darum, mein Sohn, halt du den kleinen Bürgersmann da drunten in steter Arbeit und leid nicht, daß er wie faule Edelleut nur müßig von seinen Renten zehrt.«

»Nix da! Bruder«, sprach Panurg; »ich will dir folgen, alter Stecher; du hast mich ohn Wenn und Aber und Umschweif all meiner Angst, die mich noch bedrückte, enthoben. Erhalt dich Gott dafür noch allzeit steif und straff zum Dienst. Wohlan! Auf dein Wort will ich frein, und zwar unfehlbar, das schwör' ich dir, all Elemente ermahnen mich ja, dies Wort sei dir eine eherne Mauer.

Was aber den zweiten Punkt angeht, so scheinst du mir allerlei Zweifel, ja Mißtraun in meine Könnerschaft zu setzen, als ob mir der steife Gott nicht allzu hold wär? Ich bitt' dich zum schönsten, tu mir die einzige Lieb und glaub, daß ich ihn allzeit zu Befehl, allüberall auf Wort und Wink gelehrig, dienstbar, resolut, fix und alert hab'. Und wenn mein künftig Weib aufs Venusspiel verseßner wäre als Messalina, glaub du mir, mein Tröster ist noch rüstiger. Zwar weiß ich gar wohl, was Salomo, als gelehrter und kundiger Mann, sagt: Weibsbrunst ist an sich unersättlich. Aber auch mein Beschlag ist von gleichem Schrot und unermüdlich. Hast du je die Kutte des Mönchs von Castres gesehen? Sobald man sie wo in ein Haus brachte, sei's öffentlich oder heimlich, gerieten durch ihre erschreckliche Kraft flugs alle Wohn- und Mietleut drin, Vieh und Menschen, Mann und Weib, ja Ratzen und Katzen in Brunst und Rammel. Nun schwör' ich dir's, in meinem Latz hab' ich einmal noch weit abnormere Kraft verspürt. Als ich eines Tags zu Sainct Maixant in die Bude kam, da die Passion aufgeführt wird, sah ich, wie plötzlich durch die geheime Tugendkraft meines Latzes das ganze Volk, soviel darin war, Spieler und Zuschauer durcheinander, in so furchtbare Anfechtung kamen, daß weder Mensch noch Engel, Teufel noch Teufelsmutter einen anderen Gedanken hatten, als stracks zu rammeln. Der Einbläser ließ sein Buch im Stich; der, welcher den Sankt Michel agierte, schoß mit der Flugmaschine herunter; die Teufel fuhren aus der Hölle und holten all die armen Weiblein; selbst Luzifer riß seine Kette entzwei. Kurz – ich, als ich das Durcheinander sah, trollte mich sacht aus dem Tempel hinaus und mochte weiter gar nicht zuschaun, nach dem Beispiel Cato des Zensors, als er das Floralienfest um seinethalben gestört sah.«

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