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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 90
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Sechzehntes Kapitel

Wie Panurg vom Epistemon Rat nimmt

So verließen sie zusammen den Wohnort des Poeten und zogen heim zum Pantagruel. Auf dem Rückweg wandte sich Panurg an Epistemon und sprach zu ihm: »Mein Gevatter und alter Freund, Ihr seht die Verwirrung meiner Seele, Ihr wißt so viele gute Mittel – könnt Ihr mich nicht beraten?« – Da nahm Epistemon das Wort und warnte Panurg, weil alle Welt ihr Gespött mit seiner Verkleidung hätte, und riet ihm dabei, doch etwas Nieswurz zu nehmen, der ihm die böse Stimmung vertreiben werde, und seine gewöhnliche Kleidung wiederum anzulegen. – »Gevatter Epistemon«, versetzte Panurg, »mein Sinn steht nun einmal aufs Freien, aber ich fürcht' mich vor Hörnern und Hauskreuz in meinem Ehstand. Darum hab' ich meinen Heiligen das Gelübde getan, so lang die Brille an meiner Mütze und meine Hose ohne Latz zu tragen, bis mir in dieser meiner Seelenangst ein klarer Bescheid zuteil werden würde.«

»Fürwahr«, antwortete Epistemon, »ein feines Gelübde, ein possierliches Gelübde!«

»Redet nur«, sprach Panurg, »Ihr foppt mir damit mein härenes Kleid doch nicht vom Leib. Ich laß die Stummen brummen und tu nach meinem Gelübde. Es ist nun schon so lang, daß wir einander Treu und Freundschaft zugeschworen haben; drum gib mir deinen Rat, sag an: soll ich heiraten oder nicht?« – »Fürwahr«, antwortete Epistemon, »der Fall ist kitzlich; Euch hier zu beraten, bin ich lang noch nicht klug genug. Wohl hab' ich allerhand Gedanken, wie wir uns über Eure Zweifel Rats erholen könnten; aber sie scheinen mir doch nicht klar genug; etliche Platoniker lehren, daß, wer seinen Genius sehen könnt', auch sein Schicksal erfahren könnte. Ich versteh nicht viel von ihrer Kunst, und rat' Euch nicht, darauf zu bauen. Es ist viel Dunst dabei. Dies war der erste Punkt.

Zum zweiten: Wenn die alten griechischen Orakel noch florierten, würd' ich vielleicht (vielleicht auch nicht) Euch raten, daß Ihr sie befragt, was sie zu Eurem Handel meinten. Aber sie sind, wie Ihr wohl wißt, sämtlich so stumm wie die Fische geworden seit jenes Herrn und Heilands Ankunft, der allen Orakeln und Propheten ein End und Ziel gesetzet hat. Aber selbst wenn sie noch am Leben wären, würd' ich Euch doch schwerlich raten, ihren Sprüchen Glauben zu schenken; nur zu viel Leut sind schon damit betrogen worden.«

»Ich weiß was Beßres«, sprach Panurg. »Nicht weit vom Hafen Sankt Malo sind die Ogygischen Inseln. Dahin laßt uns eine Fahrt tun, wenn wir zuvor mit unserm König gesprochen haben. Auf einer von den vieren, der am westlichsten gelegenen, sagt man (ich hab's aus guten alten Autoren), daß allerlei Wahrsager, Seher und Propheten wohnen sollen. Da soll Saturn in einem Berg von Gold an schönen goldenen Ketten gebunden liegen und mit Ambrosia und Götternektar genährt werden, welches ihm täglich im Überfluß vom Himmel gebracht wird durch ich weiß nicht was für eine Art von Vögeln; vielleicht sind es dieselben Raben, die in der Wüst den ersten Klausner ernährten. Und einem jeden, der sein Geschick erforschen will, soll er sein Los und was ihm bevorsteht klar offenbaren. Es könnt' uns doch viel Müh ersparen, wenn wir ihn in meinen Skrupeln ein wenig zu Rate zögen?« – »Der Betrug«, sprach Epistemon, »ist allzu grob; die Fabel allzu fabelhaft. Da geh ich nicht mit.«

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