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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 87
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Dreizehntes Kapitel

Wie Schafsnas dem Panurg mit Zeichen antwortet

Schafsnas ward herbeigeholt und kam Tags darauf. Zum Willkomm schenkte ihm Panurg ein fettes Kalb, ein halbes Schwein, zwei Lägel Wein, ein Last Getreide und 30 Franken. Dann führte er ihn vor Pantagruel und machte ihm im Beisein der Kammerherrn dies Zeichen: er gähnte eine gute Weile und beschrieb im Gähnen vor dem Mund mit dem Daumen der rechten Hand die Figur des griechischen Buchstaben Tau, zu öftern Malen. Hub darauf die Augen gen Himmel und drehte sie im Kopf um, wie eine Geiß im Wochenbett, hustete dabei und seufzt' tief auf. Jetzt wies er auf seinen mangelnden Latz, nahm unterm Hemd dann mit ganzer Faust sein Flintenrohr und klatschte damit melodisch gegen die Schenkel, bog sich aufs linke Knie und blieb so in kniender Stellung, mit beiden Armen kreuzweis über der Brust gefaltet, sitzen.

Schafsnas betrachtete ihn aufmerksam. Drauf hob er die linke Hand in die Höhe und ballte alle Finger, bis auf den Daumen und Zeigefinger. – »Ich seh schon«, sprach Pantagruel, »was er mit diesem Zeichen meint. Es bedeutet Hochzeit. Ihr werdet also freien.« – »Ei«, sprach Panurg und wandte sich zum Schafsnas, »großen Dank für die Mitteilung, prächtiger Kamerad!« – Drauf hub Schafsnas die Linke noch höher und streckte und spreizte die fünf Finger daran, so weit er konnte, auseinander. – »Hiemit zeigt er Euch«, sprach Pantagruel, »noch deutlicher an, daß Ihr freien werdet, und nicht nur Freite, Verlöbnis und Hochzeit halten werdet, sondern auch Beiwohnung.« – »Oh«, rief Panurg, »der gütige Schafsnas! Ich will ihm einen Meierhof schenken, und eine Windmühle dazu.«

Jetzt hub der Stumme mit großer Gewalt und Leibeserschütterung zu niesen an, wobei er sich zur Linken kehrte. – »Potz Hosenlatz! Was ist dies?« sprach Pantagruel. »Das bringt Euch keinen Segen; es zeigt, daß Eure Ehe unglücklich sein wird. Wenn man zur Rechten niest, bedeutet's, daß man sein Werk getrost angreifen, kühn darauf zugehn soll, daß Anfang, Fortgang und Verlauf gut und beglückt sein wird. Zur Linken aber bedeutet's das Gegenteil.« – »Ihr«, sprach Panurg, »kehrt alles nur zum Übel! Ich glaub' Euch kein Wort davon.«

Jetzt hob Schafsnas die rechte Hand, ballte sie und setzte sie Panurgen auf den Nabel, bewegte den Daumen in einem fort und ließ die Hand, wie auf zwei Beinen, auf dem kleinen und auf dem Zeigefinger, Panurgen allmählich von unten auf, vom Bauch zum Magen, Brust und Hals bis an das Kinn marschieren, und steckte ihm endlich den wackelnden Daumen ins Maul. Sodann rieb er ihm die Nase damit, stieg zu den Augen fort und stellte sich, als wenn er sie ihm mit dem Daumen ausstoßen wollte. Dies verdroß Panurgen, und er suchte sich von ihm zu befrein und loszumachen. Schafsnas aber fuhr immer fort, ihm bald die Augen, bald die Stirn und Mützenränder mit seinem wackelnden Daumen zu tupfen. Endlich schrie Panurg: »Potz Element! Herr Narr, laß ab, oder es setzt Püffe! Narrt Ihr mich länger, so papp ich Euch mit dieser Faust eine gehörige auf Euer Hundsgesicht.« – »Er ist ja taub«, sprach Bruder Jahn, »er hört nicht, was du ihm sagst, Kamerad! Mach ihm das Zeichen des Maulschellenhagels.« – »Was Teufel«, rief Panurg, »erkeckt sich doch dieser Faxenmacher! Drückt einem die Augen fast aus dem Kopf! Ein Dutzend Ohrfeigen mit Kopfnüssen untermischt kann er kriegen!« – Da sprach Pantagruel: »«Wenn Euch die Zeichen schon verdrießen, oh, wieviel mehr erst werden's die Sachen, die sie bedeuten! Punkt für Punkt reimt sich das Wahre zu dem Wahren. Der Stumme zeigt an und bedeutet Euch, daß Ihr frein werdet, daß man Euch zum Hahnrei machen, schlagen und bestehlen wird.« – »Das Frein«, antwortet' Panurg, »geb' ich zu! Das andre leugn' ich; Ich bitt' Euch, tut mir die Liebe und glaubt, daß nie ein Mensch mit Weibern und Pferden auf Erden noch solch Glück gehabt hat, als mir vorbestimmt ist.«

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