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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 83
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Neuntes Kapitel

Wie Pantagruel dem Panurg rät, mit einer Sibylle von Panzoust zu reden

Nicht lang darauf ließ Pantagruel Panurg rufen und sprach zu ihm: »Die in mir durch langen Zeitlauf zu Euch befestigte Lieb ermahnt mich, auf Euer Heil und Bestes zu denken. Hört meine Meinung. Ich hör', zu Panzoust bei Croulay soll eine berühmte Sibylle sein, die alle künftige Ding weissaget. Nehmt Epistemon mit, verfügt Euch hin zu ihr und höret an, was sie Euch sagt.« – »Es wird wohl«, sprach Epistemon, »irgendeine Hexe sein. Ich glaub' es darum, weil dieser Ort deshalb verrufen ist, daß es dort mehr Hexen geben soll als irgendwo anders. Werd ungern hingehn! Zudem ist's auch ein unerlaubter, in Mosis Gesetzen verbotener Handel, wie ich bei einem ziemlich feinen, gelehrten Autor gelesen hab'.« – »Wir«, sprach Pantagruel, »sind aber nicht Juden, und außerdem ist es noch gar nicht zugegeben noch ausgemacht, daß sie eine Hexe sein müßte. Sie steht im Ruf, mehr zu wissen und klüger zu sein, als sonst Brauch des Landes und Geschlechtes ist. Was kann es schaden, immer zu hören, immer zu lernen, und wär es auch von einem Topf, von einem Tropf, von einem Stoffel oder Pantoffel? Mich bedünkt, die Natur hab' nicht ohn guten Grund die Ohren offen erschaffen ohne Deckel oder Verschluß, wie die Augen, die Zung und andere Leibesöffnungen. Der Grund ist, mein' ich, der, daß wir so Tag als Nacht in einem fort hören und durchs Gehör andauernd lernen sollen; weil dieser Sinn vor andern geschickt zum Unterricht ist.« – »Ihr redet gut«, antwortete Epistemon, »werdet mich aber so leicht nicht glauben machen, daß es viel nutz wär, bei einem Weib, und zwar bei einem solchen Weib in solchem Land, sich Rat und Weisung zu erholen.« – »Ich«, sprach Panurg, »steh mich ganz gut beim Weiberrat, zumal der alten, und hab' darauf stets ein paar Stuhlgänge extra. Freund! dies sind die wahren Spür- und Leithunde, weil sie uns allzeit nützliche und heilsame Mahnungen geben. Fragt nur den Pythagoras, Sokrates, Empedokles und unsern Meister Ortuinus. Und bis in den Himmel lob' ich die Sitte der alten Deutschen, die, was ein altes Weib ihnen riet, mit Gold aufwogen und heilig hielten.« – »Nun wohlan«, sprach Epistemon, »ich begleit' Euch; doch mit Protest, und wenn ich etwas von Zauberei oder Hexenkunst verspür' in ihrer Antwort, so laß ich Euch am Tor im Stich und tu keinen Schritt mehr.«

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