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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 81
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Siebtes Kapitel

Wie Pantagruel Panurgen rät, seines Ehestands Wohl oder Wehe in Träumen zu erkunden

»Doch weil wir in der Auslegung der Lose nicht einig sind, wohlan, so lasset uns nunmehr einen andern Weg der Weissagung versuchen.« – »Und welchen?« frug Panurg. – »Einen guten, alten, authentischen«, sprach Pantagruel; »nämlich durch Träume. Denn wenn die Seele nach den Regeln träumt, sieht sie die Zukunft oft voraus. Ich brauch's Euch nicht lang zu beweisen; Ihr sehet's an dem Hausgleichnis der Kinder. Wenn man sie wohl gesäubert, gefüttert und gesäugt hat, und sie nun fest schlafen, dann gehn die Ammen ihrer Kurzweil nach, und es ist ihnen so lang zu tun vergönnt, was ihnen gut dünkt, denn sie haben jetzt bei der Wiege nichts mehr zu schaffen. So ist's auch mit unsrer Seele, wann der Leib schläft, wann die Verdauung durchgehends beendigt und nichts weiter bis zum Erwachen nötig ist, erholt sie sich und sucht den Himmel, ihr Vaterland. Dort wird sie ihres ersten göttlichen Ursprungs wieder im reichen Maß teilhaftig und merkt nicht die vergangenen Dinge allein in ihrem tieferen Wandel, sondern auch die künftigen.

Denn der Mensch empfängt die Gotteskraft der Weissagung nur, wenn in ihm das göttlichste Teil von seinem Selbst still, friedsam, ruhig, von fremder Lust und Trieben ganz unzerstreut und ungetrübt ist.« – »Ich will es«, sprach Panurg. »Muß man zu Nacht viel oder wenig speisen? Ich frag's Euch nicht ohn guten Grund. Denn wenn ich nicht gut und reichlich zu Nacht eß, so nützt mein Schlaf nix, und ich fasl nur des Nachts und träum' so leeres Zeug, als zu der Zeit mein Magen ist.« – »Nicht essen«, sprach Pantagruel, »wär wohl das beste, zumal Ihr doch ganz gut genährt und gewöhnt seid. Die Mittelstraß ist aber in allen Dingen löblich und ehrenwert; die schlagt ein; drum esset zu Nacht nicht Bohnen, Hasen oder anderes Fleisch; nicht Backfisch, nicht Kohl oder andre Speisen, die Eure Lebensgeister trüben oder verdunkeln können. Sondern gute Bergamottenbirnen, dazu einen Kurzstielapfel, ein paar Pflaumen, etliche Kirschen aus meinem Garten, und trinkt gutes reines Wasser aus meinem Brunnen.« – »Dies Faktum«, sprach Panurg, »dünkt mir ein wenig hart. Doch schlag' ich ein: ein Wort, ein Mann. Ich verlange nur den Imbiß morgen früh möglichst zeitig auf diese Traumwassersuppe hin.«

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