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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 79
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Fünftes Kapitel

Wie Pantagruel dem Panurg expliziert, daß es ein kitzlich Ding sei um einen Ehestandsrat, und das Los der Würfel für unerlaubt erklärt

»Euer Rat«, sprach Panurg, »ist, mit Verlaub zu melden, eine Art von Retourkutsch, nichts wie Gespött, Doppelsinn, Sarkasmen und Widersprüche in einem Atem. Eins hebt immer das ander auf. Ich weiß nicht, woran ich mich halten soll.« – »Eure Fragen«, versetzte Pantagruel, »sind überfüllt mit Wenn und Aber, so daß ich darauf nichts baun noch schließen möcht'. Ihr wißt selbst nicht, was Ihr wollt! Hier heißt's: Augen zu und eingebissen! Im übrigen befiehl dich Gott! Gewissern Trost weiß ich Euch auch nicht zu geben. Doch, gefällt es Euch, könnt Ihr noch eins tun.

Bringet mir die Schriften des Vergil her. Wir wolln sie mit einer Nadel dreimal aufschlagen, und nach der Zahl der Verse, die wir zusammen ausgemacht haben, Euer Ehstandslos erkunden.«

»Mit drei blanken Würfeln«, sprach Panurg, »wäre es geschwinder abgetan.« – »Mitnichten«, antwortete Pantagruel, »dies Los ist trüglich, unerlaubt und höchst anstößig. Baut darauf nie. Gleichwohl, um Euch Euern Willen zu tun, erlaub' ich gern, daß Ihr drei Wurf auf diesen Tisch tut. Nach der Zahl der Augen, die da fallen werden, wolln wir die Verse des Blattes wählen, das Ihr dann aufschlagt. Ihr führt doch Würfel in Euerm Sack da?« – »Die schwere Huck voll«, antwortete Panurg, »die sind des Teufels Losungswort; bedenkt, wenn ich dem Teufel ohne sie begegnete.« – Nun nahm er sie heraus und warf, und die Würfel fielen auf fünf, sechs, fünf. – »Macht sechzehn«, rief Panurg, »wir wolln Vers sechzehn des Blattes nehmen; die Zahl gefällt mir, ich mein', wir treffen's gut. Ich schieß' mich zu allen Teufeln querfeldein wie eine Kugel in ein Spiel Kegel, wenn ich mein junges Weiblein nicht die erste Nacht just so viel Mal besohlen will.« – »Ich hab' keinen Zweifel dran«, antwortete Pantagruel, »Ihr braucht Euch nicht so erschrecklich drum zu verschwören. Das erste Mal wird ein Fehlschuß sein, und den läßt du fünfzehn gelten; früh beim Aufstehn bringt ihr's dann ein, so werden's sechzehn.« – »Ja«, sprach Panurg, »wie Ihr halt meint! Mein wackrer Schütz da drunten, der für mich Schildwach steht, der weiß von keinem Fehlschuß. Habt Ihr mich je unter den Fehlschützen mitlaufen sehn? Nun und nimmermehr, beim großen Nimmermehrstag, niemals!« –

Währenddem brachte man Vergils Werke herbeigetragen. Eh sie noch eröffnet wurden, sprach Panurg zum Pantagruel: »Das Herz pocht mir im Leib wie ein Schmiedehammer; fühlt nur mal her an meinen Puls. Wär's nicht gut, eh wir weiter gehn, wenn wir zuvor zum Herkules und den Schicksalsgöttinnen flehten, die, wie man sagt, im Losgericht den Vorsitz führen?« – »Weder zum einen noch den andern«, sprach Pantagruel, »schlagt nur das Buch mit der Nadel auf!«

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