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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 78
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Viertes Kapitel

Wie Panurg sich beim Pantagruel Rats erholt, ob er freien sollt' oder nicht

Als Pantagruel nichts erwiderte, fuhr Panurg fort und sprach zu ihm mit einem tiefen Seufzer: »Herr, Ihr habt jetzt meinen Entschluß vernommen: ich will Hochzeit machen. Wenn nun der böse Feind nicht alle Löcher verkeilt, versperrt und verrammelt hat, fleh ich Euch bei Eurer oft bewiesenen Liebe an, sagt mir, was Euch bedünkt dazu.« – »Da Ihr«, versetzte Pantagruel, »den Wurf einmal getan, also fest es beschlossen habt, ist weiter nichts zu sagen; bleibt nichts übrig, als daß Ihr Euch ans Werk macht.« – »Aber ich möcht's doch«, sprach Panurg, »nicht gern ohn Euern guten Rat und Meinung tun.« – »Ich mein' aber«, antwortete Pantagruel, »daß Ihr's tun sollt und rat' Euch dazu.« – »Doch wenn Ihr etwa wissen solltet«, sprach Panurg, »daß mir besser wär', ich bleibe, was ich bin, blieb ich doch lieber unbeweibt.« – »Nehmt also kein Weib«, antwortete Pantagruel. – »Wollt Ihr denn aber«, sprach Panurg, »daß ich so einsam all mein Lebtag ohn Ehegespan bleiben soll? Ihr wißt, geschrieben steht: ›Wehe denen, so allein sind!‹ Der Mensch allein hat nimmermehr den Trost wie der im Ehstand.« – »Dann heirate also um des Himmels willen«, sprach Pantagruel. – »Wenn aber«, sprach Panurg, »mein Weib mir Hörner aufsetzt (Ihr wißt, heuer ist ein fruchtbares Hornjahr), dann hätt' ich daran allein genug, um aus der Haut zu fahren. Ich bin den Hahnreis gut, es scheinen mir hübsch brave Leut zu sein, geh auch ganz gern mit ihnen um, möcht' aber beileibe doch selbst keiner sein.« – »Dann heirat nicht, Freund«, antwortete Pantagruel, »denn der Spruch des Seneca bleibt ohn Ausnahm wahr: ›Was du den andern hast getan, das tun sie dir auch selber an.‹« – »Sagt er das«, frug Panurg, »ohn' Ausnahme?« – »Ohn Ausnahme«, antwortete Pantagruel.« – »Daß der Teufel!« rief Panurg, »ob er nun in dieser Welt meint oder in jener. Weil ich nun aber ohne Weib nicht sein kann, so wenig als ein Blinder ohn Stecken (denn traben muß mein Fuchs, sonst sterb' ich), wär's dann nicht besser, wenn ich mich zu einer braven und ehrbaren Frau tät, statt mich von einer zur andern zu schleichen, Tag für Tag in steter Furcht vor Prügelsuppen, ja was noch schlimmer, vor der Franzosenkrankheit? Denn aus den tugendhaften Weibern (was ihren Männern nicht mißfallen wird) hab' ich mir nie nicht viel gemacht.«. – »Heirate also in Gottes Namen«, versetzte Pantagruel. – »Wenn's aber nun Gottes Will wär«, sprach Panurg, »und es sich begäb, daß ich ein sittsam Weib bekäm', das mich schlüge, da müßt' ich ja Hiobs leiblicher Schwager sein, wenn ich nicht toll mit Haut und Haar würd'. Denn wie ich hör', sollen diese so ehrbaren Weiber gewöhnlich teufelsharte Köpf haben und scharfe Laugen in der Küche führen. – So ein Krach wär mir aber für das nächste Jahr recht unangenehm, ich meine also, ich laß das Heiraten lieber.« – »Bleib also ledig«, antwortete Pantagruel. – »Ja aber«, sprach Panurg, »wenn mir's nun geht, wie mir's jetzt geht, daß ich ganz schuldenfrei und auch dazu noch ledig bin (merkt wohl, schuldenfrei sag' ich, hol's die Pest! Denn wenn ich brav in Schulden stäk, sorgten wohl meine Gläubiger ohndies für meine Vaterschaft), dann hätt' ich auch nicht eine Seele, die nach mir fragt und mir solche Lieb erweist, wie es in der Ehe sein soll. Und würd' ich etwa gar krank, würd's mit der Wartung auch ärschlings gehn. Der Weise spricht: ›Wo keine Hausfrau ist (darunter versteh' ich die Mutter oder Ehewirtin), da gehet der Kranke in der Irr.‹ Ich hab' der Exempel genug gesehn an Päpsten, Legaten, Kardinalen, Bischöfen, Äbten, Prioren, Priestern und Mönchen; den Spaß will ich Euch nicht machen.« – »Freit also doch um Gottes willen«, antwortet' Pantagruel. – »Wenn aber«, sprach Panurg, »ich krank und ungeschickt zur ehlichen Pflicht wär' und mein Weib aus Unlust über meine Schwachheit sich einem andern an den Hals hing und nicht allein mir in der Not nicht beistünd, sondern mir noch zum Schaden den Spott fügte, ja, am Ende gar mich bestöhle, wie ich's oft erlebt hab' – das wär doch, um im bloßen Hemd davonzulaufen!« – »Hemmt also Eure Heiratslust«, antwortet' Pantagruel. – »Ja aber«, sprach Panurg, »so werd' ich auch nimmermehr rechtmäßige Söhn und Töchter haben, denen ich meinen Namen und Wappen vererben und mein Vermögen und Ersparnis hinterlassen könnt', die mein Herz erfreuen möchten, wenn ich sonst mürb und schachmatt wär, wie sich ja täglich Euer so frommer leutseliger Vater an Euch erheitert.« – »Heirat in Gottes Namen also«, antwortet' ihm Pantagruel.

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