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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 77
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Drittes Kapitel

Wie Panurg den Floh am Ohr trug und seinen prächtigen Hosenlatz ablegte

Tags darauf ließ sich Panurg sein rechtes Ohr auf jüdisch durchbohren und hing ein kleines güldenes Reiflein daran. Im Kasten desselben war ein Floh eingesperrt, und der Floh war schwarz, damit ihr's genau wißt. Dieses Flohes Unterhalt kam ihm alles in allem ungefähr wie die Beköstigung einer hyrkanischen Tigerin, also auf 609 000 Gulden zu stehen. Ein also ungebührlicher Aufwand verdroß ihn aber, als er nun ohne Schulden war, darum entschloß er sich, ihn, nach der Tyrannen und Advokaten Art, mit Schweiß und Blut seiner Untertanen zu nähren. Sodann nahm er vier Ellen grobes Sacktuch, warf es um wie einen langen Mantel, legte seine Hos' ab und hing eine Brille an sein Barett. In solchem Aufzug trat er vor den Pantagruel, der die Vermummung seltsam fand, zumal als er an ihm seinen schönen prächtigen Hosenlatz vermißte, der doch sonst seine letzte Zuflucht, gleichsam sein heiliger Anker in allem Unglücksschiffbruch war. Weil nun der gute Pantagruel dies Rätsel nicht lösen konnte, frug er ihn, was dieser Aufzug zu bedeuten habe. – »Ich hab'«, antwortete, ihm Panurg, »den Floh im Ohr. Ich will heiraten.«

»Schön!« versetzte Pantagruel. »Dies freut mich sehr, ich möcht' darauf allerdings kein glühend Eisen in Händen tragen. Es ist aber nicht der Verliebten Brauch, mit schlotternden Strümpfen zu gehn und das Hemd ohn Hose bis übers Knie herunterhängen zu lassen. Auch dies Sacktuch ist unter braven sittsamen Leuten als Mantel fast ungehörig. Mir mißfällt diese neue Sitte, und daß Ihr den allgemeinen Brauch höhnt.«

»Ich mein' es aber ganz ehrlich mit meiner Tracht«, versetzte Panurg. »Dies Sacktuch ist mein Tuchsack, mein Säckel; den will ich künftig selber führen und zu meinen Sachen sehn. Jetzt, wo ich schuldenfrei geworden bin, könnt Ihr Euch keinen steiferen Peter denken als mich. Schaut hier meine Brille! Von weitem schwürt Ihr, ich sei ein Klosterhocker. Gebt acht, ich predig' Euch noch einmal den Kreuzzug. Seht Ihr auch dies Sacktuch? Glaubt, es steckt in ihm eine heimliche Tugend, die wenig Leut' kennen: ich trag's erst seit heut morgen, und schon kribbelt, juckt und brennt mich's auf allen Nähten nach Hochzeit, bis ich auf meinem Weib wie ein härener Teufel herumrammle, ohne Furcht vor Schlägen. O edler Hauswirt, der ich sein werd'! Nach meinem Tod verbrennt man mich auf hohem Holzstoß cum gloria, und hebt die Asch' auf zum Denkmal und Fürbild des trefflichen Hauswirts.

Beschaut mich vorn und hinten, es ist die wahre Form der alten Toga, des Römerkleides in Friedenszeiten: ich hab's entlehnt von der Trajanssäul' in Rom, von des Septimius Severus' Triumphbogen. Ich bin des Kriegs müd' und hab Helm und Säbel satt. Mein Rücken ist mir vom Kürbistragen ganz wund. Weg mit dem Heergerät, her mit dem Friedenskleid! Zum mindesten fürs nächste Jahr, wenn ich mir ein junges Weib genommen hab'!«

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