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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 73
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Neunzehntes Kapitel

Wie Pantagruel in die Amauroten-Hauptstadt seinen Einzug hielt, und wie Panurg den König Anarchos verheiratete und ihn zum Grünsuppen-Ausrufer machte

Nach diesem wunderwürdigen Siege ließ Pantagruel in der Hauptstadt der Amauroten durch Karpalim ausrufen und zu wissen tun, daß König Anarchos gefangen und alle Feind aufs Haupt geschlagen wären. Alsbald zogen die sämtlichen Einwohner der Stadt in Reih und Glied und fröhlich wie die Götter ihm entgegen, um ihn mit stolzem Triumphgepräng in ihre Stadt zu geleiten. Da brannten lustige Freudenfeuer rings in der Stadt, und in den Gassen waren Tische, mit Speis und Trank erschwert, aufgestellt.

Aber in voller Ratsversammlung sprach Pantagruel: »Ihr Herren, man soll das Eisen schmieden, solange es warm ist; deshalb hab' ich, eh wir uns hie noch fester fressen, beschlossen, das ganze Dipsodische Königreich mit Sturm zu erobern; also wer mit mir kommen will, der sei bereit morgen nach dem Frühtrunk; denn um die Zeit werd ich ausziehn. Denen, die mit mir marschieren, will ich in Dipsodien das ganze Land als eine Kolonie geben, und ihr wißt, es ist vor allen Ländern der Welt schön, fruchtbar und lieblich.« – Sofort wurde dieser sein Beschluß ruchbar in der Stadt, und am andern Morgen fanden sich beim Rathaus auf dem Markt 1 056 011 Seelen ein, ohne die Weiber und Kinder. Die machten sich flugs nach Dipsodien auf den Weg, und zwar in einer so guten Ordnung, daß sie den Kindern Israels glichen, wie sie einst aus Ägyptenland dem Roten Meer entgegenzogen.

Eh ich aber diese Fahrten weiter beschreibe, will ich euch melden, wie Panurg seinen Kriegsgefangenen, den König Anarch, hielt.

Eines Tages kleidete er ihn ganz neu und spaßig an und schnallte ihm einen stattlichen Leibgurt um, halb gelb, halb weiß. »Denn die Livree«, sagte er, »schickt sich ganz gut für ihn, weil er ein Naseweiß und ein Gelbschnabel gewesen ist.« In diesem Aufzug führte er ihn zum Pantagruel und sprach zu ihm: »Gestrenger Herr, kennt Ihr wohl diesen Stoffel?« – »Nein, fürwahr nicht«, sprach Pantagruel. – »Es ist unser Herr Drei-Wecken-König. Ich will einen wohlgesitteten Menschen aus ihm machen. Die Teufelskönige hier zu Land sind eitel Kälber, zu nichts nutz und wissen nichts weiter, als ihre armen Vasallen zu schinden und alle Welt mit Krieg zu plagen. Ich will ihn ein Handwerk lehren, er soll mir Grünsuppen-Ausrufer werden. Jetzt fang mal an: Wer kauft Grünsuppen?« – Da schrie der arme Tropf. – »Zu tief!« fiel Panurg ein und nahm ihn beim Ohr, »mußt höher singen, ge, sol, re, ut! So, Teufel! Hast eine gute Kehl; es ist wirklich dein Glück, daß du vom Regiment gekommen bist.«

Zwei Tag darauf verheiratete ihn Panurg mit einer alten Vettel und richtete ihm selber die Hochzeit aus. Nach dem Essen führte er sie aufs Schloß zu Pantagruel, wies auf die Braut und sprach zu ihm: »Die läßt auch keinen Kracher mehr streichen.« – »Warum nicht?« frug Pantagruel. – »Weil sie schon gut angeschnitten ist«, sprach Panurg. – »Was sind dies wieder für Rätsel?« frug Pantagruel. – »Sehet Ihr nicht«, versetzte Panurg, »wie die Kastanien am Feuer, wenn sie ganz sind, krachen, daß alles pufft, und um dies Krachen ihnen zu legen, schneidet man sie an. So ist auch nun diese junge Frau unten herum schon lang angeschnitten, daß man von ihr keinen Kracher mehr hören wird.«

Darauf gab ihnen Pantagruel eine kleine Bude in der Vorstadt und schenkte ihnen einen steinernen Mörsel zum Kräuterstoßen. Da trieben sie ihr Krämlein zusammen, aber die Frau soll ihn wie Gips dreschen und er darf sich nicht wehren, der arme Narr: so täppisch ist er.

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