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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Viertes Kapitel

Wie Gargantua benamset ward, und wie er sich zur Tränk hielt

Während der gute Mann Grandgoschiere noch zecht' und mit den andern schwärmet', hört' er das mörderliche Geschrei, welches sein Sohn bei seinem Eintritt in dieses Licht der Welt erhub, als er zu trinken! zu trinken! brüllte, und sprach: »I gar! Kannt du aa schon fein dursten!«Im Original: »Que grand tu as!« (supple le gousier). R. gibt hier eine scherzhafte Ableitung des Namens Gargantua. Welches als die Gäst vernahmen, sagten sie, daß er um dieserwillen durchaus Gargantua heißen müßt', weil dies das erste Wort seines Vaters bei seiner Geburt gewesen wär, nach Fürgang und in Nachahmung der alten Hebräer. Hierin war derselbe ihnen auch gern zu Willen, gefiel auch seiner Mutter wohl. Und um ihn zufrieden zu stellen, brachten sie ihm zu trinken, was oben hinein wollt': und ward nach frommer Christen Sitt zur Tauf getragen und getauft.

Und wurden 17913 Küh von Pautillé und Brehemond verschrieben, für gewöhnlich ihn zu säugen; denn eine hinlänglich ergiebige Amme zu finden, war im ganzen Land unmöglich, in Betracht der großen Mengen Milch, die zu seiner Nahrung erforderlich waren. Zwar wollen ein Paar Doktoren behaupten, daß seine Mutter ihn gestillt hab' und daß sie 1402 Eimer und neun Maß Milch auf jeden Ruck aus ihren Brüsten hab' melken können. Aber es ist der Wahrheit nicht ähnlich, und ist dieser Satz von der Sorbonne pro scandaloso wehmütigen Ohren ärgerlich und schon von weitem nach Ketzerei ausdrücklich stinkend erkläret worden.

In solcher Weis bracht' er ein Jahr und sechs Monden hin, um welche Zeit man nach dem Rat der Ärzte ihn anfing auszutragen, und ward ein schöner Ochsenwagen gebauet, in selbem kutschierte man ihn fröhlich umher: und war eine Lust, ihn anzusehen, denn er hatt' ein hübsch Göschlein, wohl zehn Kinn am Hals, schrie auch fast wenig; dafür aber bekackt' er sich zu allen Stunden, denn er war eines ungebührlich durchschlägigen Gesäßes, teils aus natürlicher Komplexion, teils durch zufälligen Habitus, den ihm das viele Saugen des September-Traubenmüsleins zuzog. Doch sog er davon keinen Tropfen ohn Ursach; denn wenn sich's traf, daß er verdrüßlich, dickschnutig, bös oder grandig war, wann er schrie, strampelt', heult', und man bracht' ihm zu trinken, gleich kam er auch wieder zu sich und war ganz still und guter Ding. Seiner Wärterinnen eine hat mir's bei ihrem Heiligsten geschworen, er hätt' dies also in der Art, daß er beim bloßen Schall der Kannen und Flaschen schon in Verzückung kam, als ob er die Freuden des Paradieses im voraus schmeckt'; derhalb sie in Betrachtung dieser göttlichen Eigenschaft, um ihn am frühen Morgen aufzuheitern, mit einem Messer an die Gläser klinkten, oder mit Flaschenspunden, oder mit Kannendeckeln klirrten: auf diesen Schall würd er gleich lustig, hüpft' auf und wiegt' sich selber ein, mit dem Kopfe wackelnd, trillert' mit den Fingern und brummte Bariton mit dem Hintern.

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