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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 69
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Fünfzehntes Kapitel

Wie Pantagruel mit seinen Gesellen das Pökelfleisch zum Ekel ward, und wie Karpalim Wildbret jagen ging

Während sie nun so tafelten, rief Karpalim: »Hol mich der oder jener, solln wir denn nimmermehr Wildbret essen? Dies Pökelfleisch versalzt einem die ganze Gurgel. Ich werd euch einen Schinken von den gebratenen Pferden dort holen; er wird jetzt wohl gar sein.«

Und wie er aufstand und es tun wollte, da erblickte er von weitem am äußersten Saum des Waldes einen schönen, großen Rehbock. Karpalim sah ihn, sprang auf ihn zu, haschte ihn in einem Augenblick, und während des Laufens griff er noch mit seinen Händen aus der Luft sieben Birkhähne, 26 graue Rebhühner und 32 rote, 16 Fasanen, 9 Schnepfen, 19 Reiher, 32 Ringeltauben, und mit den Beinen zertrat er zehn bis zwölf Stück kleines Wild, halb Hasen, halb Karnickel, die auch schon die Kinderschuh vertreten hatten, ferner 15 Frischlinge, zwei Dachse und drei große Füchse. Dann gab er dem Rehbock mit seinem Hirschfänger eins über den Schädel, daß er starb, las auf dem Rückweg das andre Wild, die Hasen, Frischlinge und Fasanen zusammen. Epistemon schnitzte neun schöne hölzerne Bratspieße, Eusthenes half abziehn, und statt der Brandböcke stellte Panurg geschickt ein paar Sättel von den Reitern auf; dann begannen sie die Spieße zu drehen und brieten ihr Wildbret am selbigen Feuer, bei dem sie zuvor die Reiter geschmort hatten.

Da sprach Pantagruel: »Wollt' Gott, daß jeder von euch an seinem Kinn zwei Paar Meßschellen hängen hätte und ich an meinem die großen Glocken von Rennes, Poitiers, Tour und Cambray; das sollte eine Musik geben, die wir mit unsern kauenden Kinnbacken anheben würden.« – »Aber«, fing Panurg an, »besser wär's doch, wir dächten ein wenig auf unsre Sache und wie wir die Feinde bezwingen können.« – »Wohl bedacht«, sprach Pantagruel und frug sofort den Gefangenen: »Jetzt, Freund, sag uns ohn Lug und Trug die lautere Wahrheit, wenn du nicht lebendig geschunden werden willst. Denn wisse, ich bin derjenige, welcher die kleinen Kinder frisset. Darum meld uns genau des Feindes Anzahl, Ordnung und Heeresmacht.«

Darauf antwortete der Gefangene: »Herr, die Wahrheit Euch zu sagen, wisset: Es sind im Heer 300 Riesen, in steinernen Harnischen und wundergroß, wiewohl nicht ganz so groß als Ihr, bis auf einen, ihr Oberhaupt, der Wärwolf geheißen ist; 163 000 Mann Fußvolk, ganz in Koboldshaut, beherzte Leut und stark. 11 000 Reiter, 3600 Doppelkanonen, 94 000 Schanzgräben und 150 000 Huren, schön wie die Göttinnen (– »Futter für mich!« fiel Panurg hier ein –) und zwar von allen Ländern und Zungen.« – »Aber«, frug Pantagruel, »ist auch der König dabei?« – »Ei wohl, Sire«, antwortet der Gefangene, »er ist in eigner Person dabei und nennet sich Anarchos, der König der Dipsoden, das will sagen: der durstigen Leut, denn nimmer saht Ihr ein durstiger und zechlustiger Volk. Sein Zelt steht mitten unter den Riesen.« – »Genug schon!« rief Pantagruel. »Auf, Kinder! Seid ihr entschlossen, mit mir daran zu gehen?« – »Verdamm Gott den«, antwortete Panurg, »der von Euch läßt. Ich hab' mir schon ausgedacht, wie ich sie Euch all miteinander totschlagen will wie die Schweine. Nur hab ich noch ein klein Bedenken.« – »Und welches?« frug Pantagruel. – »Wie ich«, sprach Panurg, »all die Huren, die mit ihnen sind, an einem einzigen Nachmittag so hurtig verarbeiten soll, daß auch nicht eine mir entkommt, die ich nicht mit dem gleichen Bogenstrich gefiedelt hätte.« – »Ha, ha, ha«, lachte Pantagruel. – Und Karpalim: »Daß dich der Teufel! Ich werd bei Gott auch eine anzapfen.« – »Und wie dann ich?« sprach Eusthenes, »was? Ich, dem nun der Zeiger seit Rouen nicht gestanden hat, zumindest nicht bis auf Zehn oder Elf, und dabei ist er so stark und hart wie hundert Teufel.« – »Verlaß dich drauf«, antwortete Panurg, »die allerderbsten und fettesten, die sollst du haben.« – »Was?« sprach Epistemon, »alle wollen reiten, und ich soll nicht aufsitzen dürfen?«– »Nix, nix da«, sprach Panurg, »schwing du dich nur in den Sattel und reit mit den andern!« – Und der gute Pantagruel lacht' zu dem allen mit; darauf sprach er zu ihnen: »Ihr macht die Rechnung ohn euern Wirt; ich fürchte fast, daß euch vor heut nacht die Reitlust vergehen wird, wenn man erst mit schweren Pikenstößen und Lanzen auf euch losgeht.« – »Ja, Dreck!« rief Panurg, »mein Latz hier, mein bloßer Latz kartätscht euch das Mannsvolk, so viel ihrer sind; und der Ladestock drinnen die Weibsen.« – »Auf dann«, sprach Pantagruel, »vorwärts Kinder! Marsch, marsch!«

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